Pamir auf dem Nachttischchen

06. Juni 2009, 01:01

Wie es sich für einen Bunker gehört, liegt er etwas versteckt, abseits der Strasse. Ein schmaler Weg führt zu einem kleinen Platz hinunter. Unten angekommen ist sofort klar, dass wir richtig sind: «Null Stern Hotel» heisst es auf einer grossen Tafel. Nach einigem Suchen finden wir auch den in einer dunklen Ecke liegenden Eingang und steigen die Treppe zum Hotel hinunter.

«The only star is you»

An der Réception stehen der Butler Viktor sowie die Brüder Riklin, die die Gäste freudig begrüssen. Beide tragen ein T-Shirt, darauf steht «Null Stern. The only star is you».

Links von der Réception befindet sich der Aufenthaltsraum mit Schliessfächern für das Gepäck, einem Fernseher und einem Sofa. Allerdings kein gewöhnliches Sofa: Es besteht aus aufeinandergestapelten Matratzen. An einer Wand im Aufenthaltsraum hängen Bettflaschen an einer Schnur, an einer anderen ist eine grosse Tafel befestigt, auf der verschiedene Namen stehen. In der Mitte ist das Rad eines Velos montiert.

Die Velo-Tafel ist nicht einfach Kunst, sondern hat sehr wohl einen Zweck: Das Nullsternhotel verfügt über 14 Betten, hat aber nur zwei Duschen. Mit Hilfe des Rades wird ausgelost, wer zuerst duschen darf.

Wir gehen zurück zur Réception und steigen ein paar weitere Stufen hinunter. Dort, hinter einem orangen Vorhang versteckt, befinden sich die beiden Duschen. Im gleichen Raum sind Waschbecken und mehrere Toiletten, auch sie mit orangen Türen. In den beiden folgenden Räumen stehen schliesslich die Betten, jeweils sieben pro Raum. Aus Holz, Biedermeier und Jugendstil, mit blauer oder weisser Bettwäsche. Auf den Betten liegen Handtücher, Pantoffeln, ein «Betthupferl». Neben jedem Bett steht ein Nachttischchen mit einer Lampe – und einem Pamir. Die ersten 14 Gäste hatten in der Nacht zuvor das Hotel eingeweiht. Unter ihnen die Arneggerin Carmela Romer. Sie habe gut geschlafen, erzählt sie. Bis fünf Uhr morgens. Dann wurde sie vom Schnarchen ihres Bettnachbarn geweckt – und wäre froh gewesen, wenn sie den Gehörschutz schon angehabt hätte. Für die Flight Attendant war es ein Abenteuer. Einzig mit den riesigen, harten Kissen konnte sie sich nicht anfreunden.

Kaffee ans Bett gebracht

Für Hannelore Kundan aus St. Gallen war das absolute Highlight, als Butler Viktor ihr am Morgen den Kaffee ans Bett brachte. Und Gurdeep Singh freute sich, Menschen zu begegnen, die er sonst nicht treffen würde. Yvonne Bugmann


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