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Tagblatt Online, 23. September 2008, 01:05 Uhr

Jobs für Wenigqualifizierte

Nach Arbeitsmarkt-Gutachten: Bodenseeländer wollen Masterplan

Lindau. Die Zahl der Einfach-Jobs schrumpft auch in den Kreisen und Kantonen rund um den Bodensee. Erstmals trafen sich darum Stellenvermittler und Sozialpartner aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein zu einem Job-Gipfel in Lindau.

Frank van Bebber

Knapp eineinhalb Tage hatten die 160 Experten aus allen Anrainerländern des Bodensees in Lindau Zeit für einen Plan gegen die hohe Arbeitslosigkeit bei Menschen ohne Schulabschluss oder Lehre. Das Treffen von Stellenvermittlern, Arbeitgebern und Gewerkschaftern war so etwas wie ein internationaler Job-Gipfel.

Alarmierendes Gutachten

An Pinwänden in der Halle sammelten sich Vorschläge. «Weg vom runden Tisch, ran an die Werkbank», stand auf einem Zettel. Johannes Rutz, Chef des Amtes für Arbeit St. Gallen, sprach von einem brennenden Thema. Ein von den Arbeitsämtern der Region in Auftrag gegebenes Gutachten klingt alarmierend. Zwischen Zürich und Ravensburg gibt es 304 000 geringqualifizierte Beschäftigte, was 13 Prozent aller Angestellten entspricht. Doch in den vergangenen Jahren gingen 40 000 der Einfach-Jobs verloren.

Mehr putzen statt produzieren

Ein kleines Plus bei Stellen im Wach- und Putzdienst konnte das dicke Minus bei Handel und Produktion nicht ausgleichen. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist für Geringqualifizierte bis zu doppelt so hoch wie für andere. Und wer es einmal ist, bleibt es länger. Das noch nicht veröffentlichte Gutachten bemängelt, die Behörden handelten nicht koordiniert. Es gebe Einzelmassnahmen, aber keine explizite Strategie.

Nicht nur Diplome anschauen

In Gesprächsrunden schmiedeten die 160 Experten neue Pläne und lernten die der anderen kennen. Josef Birchmaier vom Amt für Arbeit des Kantons Thurgau regte an, Arbeitgebern die Fähigkeiten der Geringqualifizierten besser zu präsentieren. «Wir schauen immer nur die Diplome an», sagte er. Stellenvermittler müssten auch andere Kenntnisse besser wahrnehmen.

Manches ist überraschend einfach: Ein Berater berichtete, türkische Eltern seien erstmals zur Berufsberatung gekommen, nachdem ihr Generalkonsul eingeladen hätte. Mehrfach wurden berufsbezogene Sprachkurse in Betrieben angeregt. Am Ende filterten die 160 Experten in Lindau rund 20 gemeinsame Vorschläge heraus, die sie bis zur Praxisreife ausarbeiten werden. Anfang Oktober möchten die Chefs der Arbeitsverwaltungen den Startschuss für den neuen Masterplan geben.



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