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Tagblatt Online
21. Februar 2009, 01:02 Uhr

Auch Hag vor dem Aus?

Die Hag Modelleisenbahnen AG kämpft seit längerem mit finanziellen Schwierigkeiten. Zoom

Die Hag Modelleisenbahnen AG kämpft seit längerem mit finanziellen Schwierigkeiten. (Bild: Bild: Reto Martin)

Modellbahnbauer Märklin musste Insolvenz anmelden. Gerüchten zufolge soll auch die Hag Modelleisenbahnen AG in Mörschwil vor dem Konkurs stehen. Der Geschäftsführer bestreitet das, räumt aber ein, dass es Entlassungen gab.

Markus Zahnd

Mörschwil. Zwei Wochen ist es her, seit der traditionsreiche Modellbahnbauer Märklin Insolvenz anmeldete. Seither schlägt dem schwäbischen Unternehmen eine Sympathiewelle entgegen, wie auch Ostschweizer Händler bestätigen: «Das Geschäft mit Märklin läuft momentan gut. Märklin ist ein Mythos, den viele am Leben erhalten wollen», begründet zum Beispiel der Romanshorner Händler Peter Rechsteiner.

Der einzige industrielle Modellbahnhersteller der Schweiz, die Hag Modelleisenbahnen AG, ist in Mörschwil beheimatet. Um die Firma ranken sich bereits seit längerem Gerüchte, dass auch sie kurz vor der Insolvenz stehe. «Wenn Hag bis im März keinen Investor findet, dann muss die Firma ihre Bilanz deponieren», sagt ein Händler aus dem Kanton Zürich. Auch Rechsteiner hat gehört, dass Hag mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfe.

Gerüchte stimmen teilweise

«Es stimmt, wir haben finanzielle Probleme», kommentiert Werner Gahler, Geschäftsführer der Hag Modelleisenbahnen AG, auf Anfrage die Gerüchte. «Das ist aber nichts Neues, daher erstaunen mich die Gerüchte auch nicht. Wir kämpfen seit Jahren ums Überleben.» Doch wie ernst ist es wirklich? Steht die Hag Modelleisenbahnen AG tatsächlich kurz vor dem Konkurs, wie aus Modellbähnlerkreisen zu hören ist? «Ganz so schlimm ist es nicht, Konkurs müssen wir nicht anmelden», sagt Gahler.

Finanziell auf Rosen gebettet ist das Mörschwiler Unternehmen seit Jahren nicht mehr. In den vergangenen Jahren ging der Umsatz stetig zurück. Auch die Zahl der Mitarbeiter musste reduziert werden. Meist geschah dies durch natürliche Abgänge, doch «Ende Januar mussten wir auch acht Personen entlassen», bestätigt Gahler, der die Leitung der Firma 1979 von seinem Vater Alwin übernommen hatte. Damit sind in Mörschwil derzeit noch 23 Mitarbeiter beschäftigt.

Kleine trifft es härter

Händler und Sammler bemängeln, dass die Hag AG schlicht zu lange brauche, um ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Zudem habe sie strukturelle Probleme. Werner Gahler bestreitet das vehement. Er macht vielmehr fehlenden Sammlernachwuchs sowie die allgemein spürbare Krise in der gesamten Branche für die Schwierigkeiten verantwortlich: «Die Jugend spielt nicht mehr mit Modelleisenbahnen. Und wenn schon der grosse Märklin Probleme hat, dann trifft es uns Kleine umso härter.»

Im Sommer kommt der Thurbo

Dass die Hag AG für ihre Produkte höhere Preise verlangt als die ausländische Konkurrenz, bestreitet Gahler nicht. Wer in der Schweiz produziere, habe höhere Kosten. «Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt, doch wir betreiben einen hohen Aufwand dafür. Darum sind wir teurer.»

Auch wenn die Lage schwierig ist, will Gahler auf keinen Fall aufgeben. Er ist sogar zuversichtlich, dass es bald wieder aufwärts geht. «Wenn alles nach Plan läuft, bringen wir im Sommer eine Neuheit auf den Markt – einen Thurbo des Typs GTW.»

Ähnliche Solidaritätswelle?

Sollte sich in den nächsten Monaten ein Investor oder gar ein Käufer melden, dann ist Gahler zu Verhandlungen bereit. An jeden verkaufen würde er allerdings nicht. «Es muss jemand mit Herzblut sein. Wir sind der Mercedes unter den Modelleisenbahnen und haben eine grosse Fangemeinde.» Vielleicht zeigen diese Anhänger mit der Hag AG ja eine ähnliche Solidarität, wie sie Märklin erfahren durfte. Dann könnte das Unternehmen den Anschluss wieder schaffen.



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