Stiftsbibliothek erhält Beiträge vom Bund

KULTURPOLITIK ⋅ Der Bund zahlt künftig eine Viertelmillion Franken pro Jahr an die Stiftsbibliothek St. Gallen. Diese will damit unter anderem fachliche Unterstützung für andere Klosterbibliotheken finanzieren.
20. Juli 2017, 06:42
Adrian Vögele

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat erstmals eine öffentliche Ausschreibung für Betriebsbeiträge an Museen durchgeführt. Ab 2018 wendet der Bund dafür jährlich 5,9 Millionen Franken auf – eine Million mehr als bisher. 35 Museen bewarben sich. Seit gestern ist klar: 13 kommen zum Zug, das sind fünf mehr als bisher. Dazu gehört neu auch die Stiftsbibliothek St. Gallen, die den Systemwechsel mitinitiiert hatte. Sie ist das einzige Ostschweizer Museum auf der Liste.

Die Stiftsbibliothek erhält künftig eine Viertelmillion Franken pro Jahr, genau wie beantragt. Das ist der Mindestbeitrag gemäss den Richtlinien des BAK. Die meisten der anderen zwölf Museen bekommen deutlich mehr Geld. Der St. Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora hatte im Vorfeld festgehalten, die Höhe der beantragten Mittel müsse «massvoll und gut begründet sein». Es sei realistisch, dass die Stiftsbibliothek den Zuschlag für 250000 Franken pro Jahr erhalte. Nicht zuletzt, weil sie das besucherstärkste Museum der Ostschweiz sei. Entsprechend zufrieden zeigte sich Dora gestern über die Nachricht aus Bern. «Ich bin froh über den Entscheid – wir haben sehr darauf gehofft.» Das Geld soll vor allem in drei Bereiche fliessen: in die Vermittlung des Erbes der Stiftsbibliothek, die Digitalisierung von Handschriften und die fachliche Unterstützung anderer Klosterbibliotheken. Dora geht davon aus, dass der Bund den jährlichen Beitrag auch nach 2022 weiterhin leistet. Und er wünscht sich, dass der Anteil der Ostschweiz am Fördergeld noch zunimmt «Von insgesamt 5,9 Millionen gehen nur 250 000 Franken an die Ostschweiz – da besteht noch Luft nach oben.»

Textilmuseum überlegt sich einen zweiten Anlauf

Keinen Bundesbeitrag erhält das Textilmuseum St. Gallen. Das sei schade, sagt Tobias Forster, Präsident des Vereins Textilmuseum – «doch wir haben mit dieser Möglichkeit gerechnet». Wie gross die Konkurrenz sei, zeige sich daran, dass von 35 Bewerbern nur 13 einen Betriebsbeitrag erhalten würden. Auch sei die Stadt St. Gallen wohl zu klein, um Bundesbeiträge für zwei Museen zu bekommen. «Doch ich freue mich für die Stiftsbibliothek», sagt Forster. Er nimmt an, dass das Textilmuseum für die Periode ab 2023 einen neuen Antrag beim Bund stellen wird.

Das erste Kriterium des Bundes für Betriebsbeiträge an Museen ist «eine gesamtschweizerisch bedeutsame Ausstrahlung und Qualität». Ausserdem müssen die Museen über eine für das kulturelle Erbe der Schweiz bedeutsame und einzigartige Sammlung von hohem kulturellem Wert verfügen sowie eine innovative und breite Vermittlungsarbeit leisten. Den grössten Beitrag erhält das Verkehrshaus mit jährlich 1,56 Millionen Franken, gefolgt vom Technorama in Winterthur mit 600000 Franken. Manche Institutionen müssen Einbussen hinnehmen: So erhält das Alpine Museum in Bern dieses Jahr noch gut eine Million Franken, ab 2019 jedoch nur noch 250000 Franken.

 

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch


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