Schwyzer Verlustängste

BILDUNG ⋅ Die Pläne der St. Galler Regierung für die Fachhochschulen haben im Kanton Schwyz politische Unruhe ausgelöst. Nun äussert sich die Schwyzer Regierung dazu. Mit deutlichen Worten.
22. Juli 2017, 07:46
Fabienne Sennhauser

Fabienne Sennhauser

ostschweiz@tagblatt.ch

Dass sich im Linthgebiet Widerstand gegen die St. Galler Fachhochschul-Pläne formieren wird, war absehbar. Zu gross ist die Angst vor einer Schwächung der Fachhochschule Rapperswil (Ausgabe vom 19. Juli). Aber auch im Nachbarkanton macht sich Unsicherheit breit, auch hier wegen Rapperswil. Einer, der den St. Galler Plänen skeptisch gegenübersteht, ist der Schwyzer CVP-Kantonsrat Andreas Meyerhans. Er wollte von seiner Regierung wissen, wie sie sich zu den Absichten des Kantons St. Gallen stellt, alle Fachhochschulen künftig unter einem Dach zusammenzuführen. In einer Mitteilung hält die Schwyzer Regierung dieser Tage klar fest: An einer finanziellen Beteiligung mit deutlich eingeschränkter Gestaltungsmöglichkeit habe sie kein Interesse.

Dass die St. Galler Regierung für die drei Fachhochschulen Rapperswil, Buchs und St. Gallen eine gemeinsame interkantonale Trägerschaft anstrebt, ist seit längerem bekannt. Auch, dass es nur noch einen Hochschulrat und einen Rektor geben soll. Daneben sind drei Standortleitungen vorgesehen. Diese Neuorganisation der Fachhochschule Ostschweiz (FHO) muss allerdings noch vom St. Galler Kantonsparlament abgesegnet werden.

Nur an Rapperswil interessiert

Die Idee einer einzigen Institution über alle drei Fachhochschulstandorte ist eines von ursprünglich drei Strukturmodellen zur Weiterentwicklung der FHO. Ein Gutachten, welches die St. Galler Regierung in Auftrag gegeben hatte, hatte auch ein Zusammengehen der Standorte Buchs und Rapperswil sowie einen Alleingang St. Gallens geprüft. Ein drittes Modell wiederum hatte die Verbindung der Standorte Buchs und St. Gallen vorgesehen und eine separate Institution für den Standort Rapperswil. Kantonsrat Meyerhans wollte von der Schwyzer Regierung wissen, ob für sie eine Beteiligung an einer einheitlichen Trägerschaft für die Fachhochschule Ostschweiz überhaupt in Frage komme. Schwyz ist heute neben beiden Appenzell, Glarus, Graubünden, St. Gallen, Schaffhauen, Thurgau und dem Fürstentum Liechtenstein an der Fachhochschule Ostschweiz mitbeteiligt. Der CVP-Politiker wollte ausserdem erfahren, ob die Schwyzer Regierung allenfalls ein anderes Strukturmodell favorisiere. «Das Interesse des Kantons Schwyz ist ausschliesslich auf die Hochschule für Technik Rapperswil fokussiert», schreibt die Regierung in ihrer Antwort. Daher würde das Modell einer gemeinsamen Institution für die Standorte Buchs und St. Gallen sowie einer separaten Einrichtung für den Standort Rapperswil klar bevorzugt. Dies aus geografischen, wirtschaftlichen und historischen Gründen wie auch aufgrund der Studierendenzahlen. 2015 wurden insgesamt 134 Schwyzer Studierende an den drei Fachhochschulen gezählt, davon waren 120 in Rapperswil immatrikuliert

«Zu Beitragszahlern degradiert»

Sollte sich das St. Galler Kantonsparlament für das Modell einer einheitlichen, interkantonalen Vereinbarung entscheiden, befürchtet die Schwyzer Regierung ein geringeres Mitspracherecht. «Die Mitträger würden weitgehend zu Beitragszahlern degradiert.» Dennoch: «Der Kanton Schwyz stellt sich, auch wenn wir eine andere Variante bevorzugen, nicht grundsätzlich gegen das Modell der einheitlichen Trägerschaft», sagt Patrick von Dach, Generalsekretär des Schwyzer Bildungsdepartements. Ob sich der Kanton jedoch auch weiter als Mitträger der Fachhochschule Ostschweiz engagiere, hänge entscheidend von den Bedingungen, konkret vom Verhältnis zwischen Mitsprachemöglichkeit und finanziellem Aufwand ab. Auf die Frage, wie sie einer allfälligen Kantonalisierung der FHO gegenüberstehe, antwortet die Schwyzer Regierung: St. Gallen verfolge derzeit die Konkordatsvariante. Daher bestehe zum jetzigen Zeitpunkt keine Veranlassung, sich zu einem anderen Szenario zu äussern.


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