St.Galler Open-Air-Chef: «Wir werden nicht übernommen»

UNTERHALTUNGSINDUSTRIE ⋅ Der St. Galler Open-Air-Chef Christof Huber wundert sich nicht über den Verkauf des Frauenfelder Open Airs. Es würden künftig noch mehr grosse Firmen in den Schweizer Markt eindringen.
13. Juli 2017, 06:14
Interview: Roman Hertler

Interview: Roman Hertler

roman.hertler@tagblatt.ch

Szenekenner überrascht der Verkauf des Open Airs Frauenfeld an den amerikanischen Grosskonzern Live Nation kaum. Christof Huber, Chef des Open Airs St.Gallen, erklärt warum das dem Festival im Sittertobel nicht passieren kann.

Christof Huber, was bedeutet es für das St.Galler Open Air, wenn internationale Grosskonzerne in den Schweizer Markt drängen?

Diese Entwicklung ist nicht neu. Die Deutsche Entertainment AG beispielsweise hat schon vor Jahren Good News gekauft. Und ABC und Act wurden von der deutschen CTS Eventim AG übernommen. Das Greenfield Festival wurde von der FKP Scorpio aus Hamburg lanciert – und das bereits 2005. Es gibt international immer mehr Festivals, die von solchen Konzernen übernommen werden.

Droht auch dem Open Air St.Gallen eine Übernahme?

Die Wepromote Entertainment Group Switzerland ist kein börsenkotiertes Unternehmen. Daher können wir auch nicht übernommen werden.

Trotzdem: Wie kann das Open Air St.Gallen auch in Zukunft noch an die «grossen Stars herankommen»? Das Open Air Frauenfeld rechtfertigt seinen Verkauf ja auch damit.

Wir kommen an die Stars. Das hat sich 2016 mit Radiohead und Mumford and Sons und dieses Jahr mit den Toten Hosen gezeigt. Die Frage ist: Werden sich die Gagen noch weiter nach oben entwickeln, dass man sich solche Headliner nicht mehr leisten kann? Wir buchen und veranstalten mit unserer Wepromote-Gruppe in der Schweiz neben dem Open Air St.Gallen zahlreiche andere Festivals und bieten den Agenten ein sehr starkes Portfolio. Deshalb bleiben wir für die Künstler weiterhin sehr attraktiv.

Lässt sich die Konzentration der globalen Musikindustrie auf einige wenige Unterhaltungsmultis mittelfristig überhaupt aufhalten?

Tendenziell wird es so weitergehen wie in anderen Geschäftsbereichen auch. Die Frage ist, ob Konzerne wie Live Nation anstatt stetiger Erweiterung der Marktanteile irgendwann auch schwarze Zahlen schreiben müssen. Das haben sie bisher noch nie gemacht. Es wird sich zeigen, wie stabil ein solches Gefüge ist, wenn es wieder einmal zu einer Wirtschaftskrise kommt oder der Konzertmarkt aufgrund der Sicherheitslage in der Welt Einbrüche erlebt.


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