Ostschweizer verkaufen Hanf-Zigi

«HEIMAT» ⋅ Die Steinacher Zigarettenmarke «Heimat» gibt es neuerdings mit Cannabis-Zusatz. Dieser kommt zum Teil aus dem Ausland. Ein Päckli kostet knapp 20 Franken und ist bei Coop erhältlich.
12. Juli 2017, 17:56
Martin Rechsteiner
Die erste Tabak-Hanf-Zigarette der Welt kommt aus der Ostschweiz. Dies behauptet die junge Firma Koch & Gesell AG aus Steinach. Seit 2016 verkauft der Zigarettenhersteller unter dem Label «Heimat» handgefertigte Glimmstängel aus Schweizer Tabak. Nun hat das Kleinunternehmen sein Sortiment erweitert. Mit Cannabis. Verkaufen werden die Tabak-Hanf-Zigaretten Kioske, Tabak-Shops, und der Grossverteiler Coop. In einigen Filialen sind sie bereits erhältlich.
 

Rauchen ohne Rausch

Das Geschäft ist legal. Denn laut Angaben des Steinacher Herstellers weist der Hanf in den Zigaretten «einen THC-Gehalt von deutlich unter einem Prozent auf.» Somit bleibt er ohne berauschende Wirkung und ist vom Gesetzgeber erlaubt. 

Das legale Gras, auch einfach CBD genannt, erlebt hierzulande spätestens seit diesem Jahr einen Boom. Viele, die den Geschmack von Cannabis zwar schätzen, sich aber weder berauschen noch strafbar machen wollen, greifen darauf zurück. Im Internet oder in speziellen Läden ist das CBD in der Schweiz problemlos erhältlich. Bis Zigarettenhersteller auf die Idee kommen, damit ihre Produktpalette aufzufrischen, war also nur eine Frage der Zeit. 
 

Neun Monate getüftelt

«Klar wird es bald Nachahmer geben, die ebenfalls Hanf-Zigaretten herstellen», sagt Roger Koch, Geschäftsführer der Koch & Gsell AG. «Aber das ist gut, ein wenig Konkurrenz belebt den Markt.» Neun Monate haben er und sein Team an der Tabak-Hanf-Zigarette getüftelt. Das grösste Problem sei gewesen, dass die Kräuter ständig die Tabak-Maschinen verklebt hätten. «Das haben wir aber gelöst und jetzt ist die Nachfrage sehr gross. Wir kommen mit der Produktion kaum nach», sagt Koch. 19.90 Fr. kostet ein Päckli mit 20 der neuen Glimmstängel. «Für Zigaretten mag das teuer erscheinen.» Dafür, dass in einem Päckli vier Gramm CBD-Hanf stecken, sei der Preis aber tief.
Wegen der grossen Nachfrage und Lieferengpässen komme ein Teil des Hanfs aus dem Ausland. «Wir hoffen aber, noch dieses Jahr ganz auf Schweizer Cannabis umsatteln zu können», sagt Koch. Er glaubt fest an den Erfolg der neuen Zigaretten. Weitere Produkte mit anderen Kräutern sollen bald folgen. «Wir sind experimentierfreudig. Auf der Suche nach Neuem haben wir unzählige Sachen durchgeraucht.» 

Bei Coop, der die Tabak-Hanf-Zigaretten bereits verkauft,  ist man ebenfalls zuversichtlich. Sprecherin Andrea Bergmann sagt:«Wir bieten unseren Kunden bereits beliebte Produkte wie Hanfeistee, Hanfblütenbier, Hanfsamen-Öl oder Bio-Hanfaufstrich an. Es gibt eine Nachfrage nach Hanfprodukten aufgrund ihres charakteristischen Geruchs und Geschmacks.» 
 

Immer mehr THC

THC ist der Stoff im Cannabis, der «high» macht. Beläuft sich sein Anteil auf weniger als ein Prozent, bleibt der Konsum ohne berauschende Wirkung. Dieser Hanf darf in der Schweiz legal verkauft werden. Zum Vergleich: Von Kiffern konsumiertes Cannabis dürfte einen durchschnittlichen THC-Gehalt von 10 bis 15 Prozent haben. Es werden Sorten mit immer höherem Anteil gezüchtet. Die stärksten verfügbaren Produkte der Welt sollen die 30-Prozent-Marke überschreiten. (mre)


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