Entenküken in Kläranlage verirrt

RETTUNGSAKTION ⋅ Der Wärter der Kläranlage Freudenau bei Wil hat Ungewöhnliches gemeldet: Drei Entenküken hatten sich am Mittwoch ins Nachklärbecken verirrt.
14. Juli 2017, 19:30
Laura Widmer

Die Entenküken schwammen piepsend im betonierten Kanal des Nachklärbeckens. Die Mutter paddelte in einem anderen Gewässer der Abwasserreinigungsanlage und konnte nicht zu ihren Jungen gelangen. Erst ein paar Tage alt waren die Entenküken, sagt Mirko Calderara, einer der Wildhüter des Kantons St.Gallen. Er vermute deshalb, dass sie ganz in der Nähe geschlüpft waren. Es sei möglich, dass sie sich auf dem Weg zum nahe gelegenen Bach verirrt hatten. Statt im wilden Bach mit seinen natürlichen Ufern fanden sie sich deshalb am Mittwoch im Nachklärbecken.

Von selber kamen die Küken nicht mehr aus dem Kanal. Ein paar Tage nach dem Schlüpfen können sie zwar mit den Flügeln schlagen, aber hoch hinaus kommen sie noch nicht. «Etwa 15 bis 20 Zenti­meter könnten sie schaffen.» Calderara eilte ihnen zu Hilfe und fischte sie mit einem grossen Netz heraus.

 

Mutterente tauchte immer wieder ab

Die Rettung des Muttertiers gestaltete sich schwieriger. «Sie tauchte immer wieder ab. Ich dachte nicht, dass es mir noch gelingt, sie einzufangen.» Natürlich wäre es möglich gewesen, nur die Küken in den nahe gelegenen Bach zu bringen, sagt Calderara. Die Mutter wäre dem Piepsen ihrer Jungtiere schnell gefolgt. Auch schon in der Kläranlage habe sie gewartet. Um sicherzustellen, dass die Jungtiere gut versorgt sind, habe er das Muttertier dann auch mitgenommen.

Dass sich Entenküken in die Kläranlage verirren, sei äusserst selten, sagt Calderara. Bei ausgewachsenen Tieren komme es ab und zu vor, dass sie sich für ein paar Tage dort niederliessen. Als Wildhüter habe er schon einige Male wegen Enten und ihren ­Küken ausrücken müssen. «Sie brüten gerne etwas erhöht und suchen sich zum Teil auch Nistplätze auf Balkonen aus», sagt Calderara. Daran haben natürlich nicht alle Balkonbesitzer ihre Freude. Meistens werden die Enten aber erst vom Wildhüter abgeholt, wenn die Eier bereits ausgebrütet sind.

Gefährlich war der kleine Ausflug in die Abwasserreinigungsanlage nicht. Das Wasser im Nachklärbecken sei schon sehr sauber und Turbinen oder Schrauben gebe es darin keine.

 


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