Über diese Kleider spricht ganz Liechtenstein

MINISTERIN MIT MODISCHEM MUMM ⋅ Weil sie es gewagt hat, bei klirrender Kälte einen Pelzmantel zu tragen, ist die Liechtensteiner Aussen-, Justiz- und Kulturministerin Aurelia Frick ins Gerede gekommen. Zeit für eine Stilbetrachtung der Politikerin mit dem Herz für adrette Kleider.
11. Februar 2018, 05:17
Odilia Hiller

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper


Politik ist ein ernstes Geschäft. Das weiss Aurelia Frick, die liechtensteinische Aussenministerin, ebenso gut wie die britische Regierungschefin Theresa May. Seit Jahren mischen beide in der Welt der Staatsgeschäfte mit und müssen sich wie alle Politikerinnen fragen: Wie trete ich auf? Welches Bild will ich auf dem politischen Parkett abgeben? Wie viel modisches Risiko gehe ich ein, um als Frau und Politikerin ernst genommen zu werden?

Denn es bleibt ein hehrer Wunsch, als Frau ausschliesslich über Kompetenz und Leistung wahrgenommen zu werden. Vom Moment an, wo eine Frau das Rampenlicht betritt, wird sie auch auf ihr Äusseres überprüft. Nicht nur von Männern. Frauen sind meist die gnadenlosere Jury, wenn es um die Optik ihrer Geschlechtsgenossinnen geht. Auch wenn sie es nicht immer gerne zugeben.

Image ist in Politik und Gesellschaft nicht alles, aber viel. Der modische Weg, den die 42-jährige Aurelia Frick und die britische Premierministerin Theresa May eingeschlagen haben, ist zwar nicht der gleiche, aber sie haben eines gemeinsam: Sie lassen es sich trotz Staatsverantwortung nicht nehmen, ihre Arbeitskleidung mit einer Prise Wagemut zu würzen. Während Theresa May es meist bei originellem Schuhwerk belässt, hat Frick eine Schwäche für adrette Kleider in allen Farben des Regenbogens.

Sie zaubert Ministern ein Lächeln ins Gesicht

Aurelia Fricks Kleidungsstil, im Fürstentum ein beliebtes Gesprächsthema, ist eine Wundertüte. Er zeichnet sich dennoch durch einige Konstanten aus: Sie mag feminine Looks und trägt fast nie Hosen. Sie auf Fotos zweimal im gleichen Kleid zu finden, ist quasi unmöglich. Weil sie sich traut, von Kopf bis Fuss leuchtende Farben zu tragen, erinnert ihre Garderobe an jene von Prinzessinnen europäischer Königshäuser, angereichert mit einem Schuss amerikanischer First Lady.

Wie die «Ostschweiz am Sonntag» aus zuverlässiger Quelle weiss, kauft sich die Regierungsrätin für Äusseres, Justiz und Kultur ihre Garderobe selber und auf eigene Kosten. Die promovierte Anwältin hat sichtlich Freude am Experimentieren mit Labels, Farben, Schnitten, Schuhen, Schmuck, Handtaschen und Brillen. Womit sie ihren internationalen Amtskollegen bei Fototerminen regelmässig ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubert. Dass sie sich ihren Spass am gepflegten Äusseren etwas kosten lässt, kann man der Politikerin beim besten Willen nicht vorwerfen. Nicht wenige Männer haben teure Hobbys, deren Sinn sich weit weniger erschliesst. Die einen häufen in obskuren Kellern teure Flaschen mit Alkoholhaltigem an, während andere ganze Vermögen in die Anschaffung von Golfschlägern, Segelbooten, Motorrädern oder Autos versenken.

Aurelia Frick investiert in hübsche Kleider und führt diese mit erfrischender Leichtigkeit aus. Sie zeigt ihr sonniges Gemüt ausserdem mit aufrechter Haltung und strahlendem Lächeln.

Ja, Pelztragen ist verpönt

Und jetzt noch zum umstrittenen Pelz, den die langjährige Regierungsrätin Ende Januar zur Landtagseröffnung in Vaduz trug: Ja, Pelztragen ist schon lange verpönt. Aus Gründen. Doch die Aussage einer Schweizer Tierschützerin im «Liechtensteiner Vaterland», dass in diesem Fall selbst das Tragen eines Kunstpelzes unzulässig wäre, führt doch etwas weit. Das Argument, wonach die Politikerin «auch dann Werbung für das Pelztragen» machen würde, ist absurd. Ausserdem ist an­zunehmen, dass Aurelia Fricks Pelz tatsächlich echt ist. Vielleicht hat sie ihn ja von ihrer Grossmutter geerbt. Solche Familienerbstücke stellen viele Frauen vor die Frage: austragen oder verbrennen?

Jedenfalls hat die Ministerin in der Zeit, wo sie dazu keine Fragen beantwortete, fleissig weiterregiert. Weil Politik eine ernste Sache ist.


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