Mann bei Sex mit Rind erwischt

PROZESS ⋅ Ein Mann steht im Linthgebiet vor Kreisgericht, weil er sich in einen Stall schlich und dort ein Rind missbrauchte. Er ist teilweise geständig, kann sich die Tat aber nicht erklären: «Ich bin wütend auf mich selber.»
17. Juli 2017, 22:24
Urs Schnider
Ein knapp 60-jähriger Mann musste sich vor dem Kreisgericht See-Gaster verantworten: mehrfacher Hausfriedensbruch, mehrfache Tierquälerei sowie Vergehen gegen das Waffengesetz lauten die Vorwürfe. Die Tierquälerei entpuppte sich im Verlaufe der Verhandlung als Geschlechtsverkehr mit einem Jungrind. Der Angeklagte gestand in der Verhandlung, dass es zum Akt mit dem Tier gekommen sei. Dabei hatte er es immer auf das selbe Rind abgesehen: Weil es sich nicht bewegt habe, wie der Staatsanwalt aus Protokollen zitierte. Gemäss Anklageschrift wurden keine Verletzungen am Geschlechtsteil des Tieres festgestellt.
 

Bauer montierte Kamera im Stall

Als der Kreisrichter den Angeklagten zur Tat befragt, legt er sein Gesicht in die Hände und schüttelt den Kopf. Dann spricht der Kosovare in seiner Muttersprache zur Dolmetscherin. Sie übersetzt: «Es ist sehr mühsam für mich, das jetzt noch mal anzuhören.» Er sei wütend auf sich selber und nervös. «Ja, ich habe das getan», sagt er. Am liebsten würde er nie mehr darüber reden, sagt der Angeklagte. Dreimal habe er Geschlechtsverkehr mit dem Rind gehabt, bestätigt er.  Sein Anwalt dagegen bezweifelt dies – obschon es Videoaufnahmen gibt. An weitere Vorfälle dieser Art kann sich der Beschuldigte nicht erinnern. Die Anklage spricht von mindestens einem weiteren Vorfall. Aufgeflogen war das Ganze, weil die Bauernfamilie bemerkte, dass Gegenstände im Stall nicht mehr an ihrem Platz waren. Daraufhin montierte der Bauer eine Kamera an die Decke des Stalls. Eines Tages habe der Bauer, so sagte der Staatsanwalt, einen Einkaufskorb gefunden. Diesen habe der Angeklagte hinter das Jungrind gelegt und sich darauf gestellt, um die «richtige Höhe» zu erreichen, wie es in der Anklageschrift heisst.

Der angezeigte Hausfriedensbruch bezog sich auf das unerlaubte Betreten des Stalls. Bei der Festnahme des Angeklagten fand die Polizei zudem einen Schlagring und beim Angeklagten zu Hause einen weiteren. Für die Vergehen forderte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 12500 Franken unter Anrechnung der Untersuchungshaft von einem Tag. Angesichts der Vorstrafen – der Staatsanwalt spricht von Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und sexueller Belästigung – könne keine bedingte Strafe gewährt werden. «Dem Angeklagten kann keine gute Prognose gestellt werden», findet der Staatsanwalt.
 

«Das wird nie wieder vorkommen»

Der Mann, der seit über 20 Jahren nicht mehr arbeitet und heute von einer IV-Rente lebt, zeigt sich reuig: «Ich entschuldige mich für das, was ich getan habe. Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte.» Er habe grosse Angst, dass seine Familie das alles erfahre. Bis anhin wisse diese von nichts. Der Gerichtsvorsitzende fragte ihn, ob er eine Therapie mache. Immerhin werde Geschlechtsverkehr mit einem Tier vom Gesetzgeber «als abnorm» eingestuft. Der Angeklagte sagte nur: «Das wird nie wieder vorkommen.» Die Verteidigung stellte den Antrag, die Anklage wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs sei ganz einzustellen. Denn in der Anklageschrift werde mehrfach das Anklageprinzip verletzt. «Fehlen die Strafanträge, darf kein Urteil gefällt werden.»
Weiter würden die eingeklagten Delikte und die Tatzeitpunkte in der Anklageschrift zu wenig genau definiert. Das Kreisgericht lehnte den Antrag ab.
 

Verteidiger fordert einen Freispruch

Für den Hauptanklagepunkt, die Tierquälerei, forderte der Verteidiger einen Freispruch. Es sei lediglich ein Fall von Geschlechtsverkehr mit dem Rind aus den Aufnahmen ersichtlich – «und das in schlechter Bildqualität». In den beiden anderen Fällen sei es aufgrund der Aufnahmen nicht zu beweisen. Es sei ein Mann im Eingangsbereich zu sehen mit einem Einkaufskorb. Damit sei nicht bewiesen, dass sein Mandant im Stall gewesen sei. Es lasse sich nur einmal ein Geschlechtsverkehr seines Mandanten mit dem Rind nachweisen und nicht mehrmals, «auch wenn er dies heute gestand». Das Kreisgericht wird den Parteien das Urteil heute eröffnen.

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