Krippen-Zündler vor Gericht

MELS ⋅ Ein junger Mann hat vergangenen Dezember in Bad Ragaz eine Weihnachtskrippe angezündet. Das Kreisgericht in Mels hat ihn jetzt schuldig gesprochen.
11. Oktober 2017, 07:00
Reinhold Meier

Reinhold Meier

ostschweiz@tagblatt.ch

Der Abend begann für den heute 20-Jährigen wenig besinnlich, nämlich mit Vorglühen. Nach einem halben Liter Wodka sowie Cannabiskonsum zog er mit zwei Kollegen durch die nächtlichen Strassen von Bad Ragaz. An der festlichen Weihnachtskrippe einer Kirche hielt sie an. Statt Andacht kehrte aber die Wirkung der Drogen ein.

Gegen halb ein Uhr in der Nacht entzündete der berauschte Täter das Heu der Krippe. Die christnächtliche Seligkeit fing rasch Feuer. Nach ein paar Minuten warf er Schnee in die Flammen, um sie wieder zu löschen. Danach verfügten sich die drei, in der Meinung, grösseren Schaden verhindert zu haben, zu einer nahen Müllsammelstelle. Hier wiederholte sich das Spiel im etwas weniger besinnlichem Umfeld. Diesmal ging ein Stapel Kartons, gleich bei einer Hecke, in Flammen auf.

Feuerwehr muss ausrücken

Wiederum liess der Täter das Feuer für ein paar Minuten brennen, dann warf er Schnee in die Flammen und verliess die Örtlichkeit abermals in der Annahme, dass schon nichts passieren werde. Womit das Trio aber nicht gerechnet hatte: In beiden Fällen, zündelten die Flammen wieder hoch. Bei der Krippe rückte alsbald die Feuerwehr an, nachdem die Hütte der Heiligen Familie in «Vollbrand» geraten war, wie es hiess. Und bei der Müllstelle entzündete sich die benachbarte Hecke so schnell, dass sie nur noch von den ohnehin bereits im Einsatz stehenden Wehrmannen mit einem zweiten Einsatz gelöscht werden konnte. So konnte eine noch grössere Feuersbrunst verhindert werden.

Keine religiösen Hintergründe

Im Strafverfahren verhielt sich der Täter ernüchtert und geständig. Er hat sich früh bei den ­Geschädigten entschuldigt und Arbeitsleistungen zur Wieder­gutmachung angeboten. Die Kirche hat auf den Ersatz des 8000 Franken teuren Sachschadens an der Krippe verzichtet. Im zweiten Fall zahlt der Mann die bereits von ihm anerkannte Zivilforderung in regelmässigen Raten ab. Vor Gericht war denn auch zu spüren, dass ihm sein gefähr­licher Unfug eher peinlich war. Offensichtlich war zudem, dass die Taten keinerlei religiösen Hintergrund hatten. Die Taten dürften damit als gefährlicher Unsinn einzuschätzen sein, ­gnädig befördert von der Wirkung des Wodkas und des Cannabis, aber sichtbar mit grossem Gefahrenpotential, ist doch mit Vollbränden nicht zu spassen, weder bei Krippen noch bei ­Hecken, wie der Gesamtschaden in fünfstelliger Höhe mahnend belegte.

Als Sanktion folgte letztlich ein Strafmass von 16 Monaten Haft, bedingt ausgesprochen, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem werden 500 Franken Busse fällig sowie die Kosten des Verfahrens von rund 3000 Franken, dies alles in der hoffnungsvollen Zuversicht, dass nun nichts mehr anbrennt.


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