Bergbahnenstreit: CVP-Fraktionspräsident will Köpfe rollen sehen

TOGGENBURG ⋅ Nachdem die Regierung den Bergbahnen Wildhaus den Geldhahn zugedreht hat, fordert der Präsident der CVP/GLP-Fraktion im Kantonsrat, die Spitzen der beiden Bergbahnbetriebe neu zu besetzen. Die FDP kritisiert derweil die Regierung.
01. September 2017, 06:13
Regula Weik, Christoph Zweili

Regula Weik, Christoph Zweili

ostschweiz@tagblatt.ch

Die Regierung lässt im Toggenburger Bergbahnenstreit nicht mit sich spassen. Ihre Botschaft an die Protagonisten ist unmissverständlich: Auseinandersetzung beilegen, dann kann wieder über eine finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand diskutiert werden. Diese klare Haltung kommt nicht überall gut an.

Auf Verständnis stösst sie bei Andreas Widmer, Fraktionschef von CVP und Grünliberalen im Kantonsparlament – und Toggenburger. Er werde immer wieder auf das «Theater» in seiner Heimatregion angesprochen. Dass die Regierung jetzt auf die Bremse trete, sei verständlich. Selbst wenn sie das Geld freigäbe, hiesse es noch lange nicht, dass die Region dem Ziel einen Schritt ­näher käme – nämlich einer kon­struktiven Zusammenarbeit der beiden Bahnbetreiber. Widmer empfiehlt deshalb den Aktionären beider Unternehmen: «Wechseln sie die Köpfe an der Spitze aus. Eine Radikallösung, ich weiss», sagt er und fügt zur Ehrenrettung der Toggenburger an: «Die führenden Köpfe beider Unternehmen sind keine Toggenburger.» Widmer ist überzeugt: Früher oder später dürfe es nur noch ein Unternehmen am Berg geben. «Es muss gezielt investiert werden, und die Investitionen müssen aufeinander abgestimmt werden. Das passiert heute nicht.»

Vorstoss im Kantonsrat – ohne CVP

Die Fraktion von CVP und GLP hat als einzige einen aktuellen Vorstoss zur geplanten Investition in Wildhaus und zum Tourismus im Toggenburg nicht unterzeichnet. «Eine solche Übung ist nicht zielführend», sagt Widmer. Die Einfache Anfrage sei im Wissen lanciert worden, dass die Regierung wenige Stunden später das Thema beraten werde. «Das ist reine Schaumschlägerei.» Seine Haltung: Abwarten, was die Regierung entscheidet, und dann allenfalls aktiv werden.

FDP, SVP, SP und Grüne kamen zu einem anderen Schluss und reichten fast zeitgleich mit dem Entscheid der Regierung, kein Geld für die geplante 6er-Sesselbahn in Wildhaus zu sprechen, eine Einfache Anfrage ein. «Ausser Landwirtschaft und Tourismus ist im oberen Toggenburg nicht viel möglich», sagt FDP-Fraktionspräsident Beat Tinner. «Die Kernfrage ist: Wie entwickeln wir die ländlichen ­Regionen im Kanton. Von einer Strategie dafür habe ich noch nicht viel gesehen.» Nur Nein­sagen bringe das Toggenburg keinen Schritt weiter, sagt auch FDP-Präsident Raphael Frei. Die Regierung müsse weiterhin ihre Rolle als Mediatorin wahrnehmen. Und sie müsse die «gesamte Volkswirtschaft der Region Toggenburg und ein touristisches Gesamtkonzept für den Kanton» im Auge haben.

«Das käme auf lange Frist teurer zu stehen»

Die FDP hat in einem Mediencommuniqué ihrem Ärger über den Entscheid der Regierung freien Lauf gelassen. Die Tonalität hat selbst in FDP-Kreisen für Verwunderung gesorgt. «Wir ­haben nur eine klare Botschaft abgesetzt», sagt Fraktionschef Tinner und fügt an: Es sei doch «eigenartig», dass die Regierung den Bahnbetreibern Auflagen mache, während der Bund die Strategie der Wildhauser Bergbahnen nachvollziehbar finde (siehe Zweittext). Ist der Ruf der FDP nach staatlicher Unterstützung nicht auch «eigenartig»? «Wir argumentieren nicht ideologisch, sondern fallbezogen. Wenn die Bahn nicht investieren kann, fallen private Investoren für andere Projekte im Rahmen von Wildhaus 2.0 weg – mit gravierenden volkswirtschaftlichen Konsequenzen für die Region. Das käme die Steuerzahler auf lange Frist teurer zu stehen.» Und was sagt Tinner zum mehrfach gehörten Vorwurf, er engagiere sich in der Sache nur derart stark, weil er mit dem Verwaltungsratspräsidenten der Wildhauser Bergbahnen befreundet sei? «Ich kenne Jack Rhyner. Er ist ein Kollege von mir. Ich kann gut unterscheiden, was Geschäft und was privat ist. Bei meinem Handeln steht die Region Toggenburg im Vordergrund.»

Die Bergbahnen Wildhaus AG will die Arbeiten für das Projekt Wildhaus 2.0 trotz des abschlägigen Bescheids der Regierung planmässig vorantreiben. Man fühle sich den 2060 Aktionären verpflichtet, heisst es beim Unternehmen. Diese halten derzeit 33656 Aktien im Wert von je 200 Franken, was ein Aktienkapital von rund 6,7 Millionen Franken ergibt.


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