Totes Baby in Staad: Eltern wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt

ANKLAGE ⋅ Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen erhebt gegen eine 35-jährige Deutsche und einen 54-jährigen Schweizer Anklage wegen vorsätzlicher Tötung ihrer gemeinsamen Tochter. Im August 2015 hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung den Leichnam des Kindes gefunden.
Aktualisiert: 
12.02.2018, 11:00
12. Februar 2018, 09:43
Wie die St.Galler Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung schreibt, stehen die beiden Beschuldigten in Verdacht unter anderem aufgrund ihres Drogenkonsums ihre elterlichen Sorgfaltspflichten verletzt und die gemeinsame Tochter vernachlässigt zu haben. Konkret wird ihnen vorgeworfen, die gemeinsame Tochter nicht altersgerecht ernährt und ihr keine ausreichende Bewegung ermöglicht zu haben. Ebenfalls sollen sie die medizinische Versorgung, die körperliche Hygiene und sozialen Kontakten der einjährigen Tochter vernachlässigt haben. Daneben hätten die beiden Eltern gemäss Anklage ihr einjähriges Kind mehrmals für mehrere Stunden unbeaufsichtigt alleine zu Hause gelassen, wie es weiter im Communiqué heisst. Diese Vernachlässigungen sollen schliesslich zum Tod der einjährigen Tochter geführt haben.
  • Im Keller dieses Einfamilienhauses hat die Polizei das tote Mädchen entdeckt.
  • Der Eingang zum Haus - ein Plastiksack mit Bierdosen hängt an der Tür.
  • An der Haustür befindet sich ein Aufkleber der Hells Angels...

In einem Staader Einfamilienhaus ist am Dienstag ein totes Mädchen gefunden worden. Die Behörden gehen von einem Tötungsdelikt aus. Der Zustand der Leichte lässt eine sofortige Identifikation nicht zu. Die Eltern wurden verhaftet. (Bilder: Urs Bucher)


KESB schlug Alarm

Am 4. August 2015 hatte die Kantonspolizei bei einer Hausdurchsuchung den Leichnam des Kindes im Keller entdeckt und die Eltern festgenommen. Schon damals teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie gehe von einem Tötungsdelikt aus. Angestrengt hatte die Ermittlungen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Rorschach mit einer Strafanzeige wegen Verdachts der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten. Die Behörde hatte nach einem Hausbesuch Verdacht geschöpft, weil sie keine befriedigenden Auskünfte über den Aufenthaltsort der einjährigen Tochter bekommen hatte.

Die Hausdurchsuchung brachte traurige Gewissheit. Obwohl der Zustand der Kinderleiche eine sofortige Identifikation nicht zuliess, ging die Polizei davon aus, dass es sich um das gesuchte Mädchen handelte.


Anklage erhoben

Die Untersuchung, welche in enger Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei St.Gallen und dem Institut für Rechtsmedizin St.Gallen geführte wurde, ist nun abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen erhebt folgend beim Kreisgericht Rorschach Anklage. "Wir beantragen eine Verurteilung der 35-jährigen Mutter unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren, einer unbedingten Geldstrafe und einer Busse", heisst es in der Mitteilung. Der 54-jährige Vater soll wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzes ebenfalls zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Jahren und einer unbedingten Geldstrafe verurteilt werden. (pd/lex/sda)

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