Keller-Sutter tadelt Ostschweizer Regierungen: "Habe dieses ewige Jammern satt"

SCHARFE KRITIK ⋅ Die St.Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter übt scharfe Kritik an den Ostschweizer Regierungen. Diese müssten Strategien entwickeln, um die Abhängigkeit der Ostschweiz vom Finanzausgleich zu reduzieren, statt einfach die hohle Hand zu machen, sagte sie.
11. November 2017, 14:47
Stefan Schmid
Die Ostschweizer Kantonsregierungen kommen wegen einer jüngst publizierten Studie von ungewohnter Seite unter Beschuss. Die St.Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter übte an der Toggenburger Tagung der kantonalen FDP vom Samstag in Wattwil scharfe Kritik an der Haltung der Regierungen. "Ich habe dieses ewige Jammern satt. Stattdessen sollten sich die Kantone fragen, wie wir unsere wirtschaftliche Position nachhaltig verbessern könnten", sagte die Ständerätin in Richtung des ebenfalls anwesenden st.gallischen Baudirektors, Parteikollege Marc Mächler.
 

Auslöser: eine Studie

Karin Keller-Sutter bezieht sich auf eine Studie, welche die Ostschweizer Regierungskonferenz ORK bei der Universität Luzern in Auftrag gegeben und vor ein paar Wochen präsentiert hatte. Diese kam zum Schluss, dass die Ostschweizer Kantone wegen der Abwanderung junger Arbeitskräfte und der unterdurchschnittlichen Produktivität der hier ansässigen Branchen verstärkt auf Gelder aus dem nationalen Finanzausgleich angewiesen sein werden. Anstatt die hohle Hand zu machen, wäre es die Aufgabe der Regierung, Strategien zu entwickeln, die Abhängigkeit der Ostschweiz vom Finanzausgleich zu reduzieren, sagte Keller-Sutter.


"Mutige Entscheide gefällt"

Der St.Galler Regierungsrat Marc Mächler nahm die Schelte der ehemaligen St.Galler Regierungsrätin einigermassen gelassen zur Kenntnis. Er betonte, die Regierung habe etwa mit der IT-Bildungsoffensive jüngst "mutige Entscheide" gefällt, um die Situation zu verbessern.
 
Stargast der Toggenburger Tagung war der neue FDP-Bundesrat Ignazio Cassis.
"Die Ostschweiz ist mehr als reif für einen Sitz im Bundesrat", sagt der Tessiner.

Lesen Sie das grosse Interview mit Ignazio Cassis später auf "Tagblatt Online" sowie am Sonntag im E-Paper der "Ostschweiz am Sonntag".
 

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