Tagblatt Online, 06. Oktober 2010 19:05:00
Schlag für Kachelmann-Verteidigung: Gutachter abgelehnt
Fall Kachelmann
Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann geht weiter. (Bild: Bild: Keystone)
MANNHEIM/GAIS. Im Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann hat die Verteidigung am Mittwoch eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Der von ihr benannte Sachverständige Bernd Brinkmann wurde überraschend vom Landgericht Mannheim als befangen abgelehnt.
Er kann deshalb nicht mehr als Gutachter am Prozess teilnehmen. Der Rechtsmediziner aus Münster war in seinem Gutachten davon ausgegangen, dass sich das mögliche Vergewaltigungsopfer selbst die Verletzungen beigebracht hatte.
Sie habe sich bereits ein Jahr vorher offenbar selbst blaue Flecke an den Oberschenkeln zugefügt und beobachtet, wie sich die Verletzungen entwickelten.
Tatsächlich waren auf dem Computer des möglichen Opfers zwei Fotos sichergestellt worden, die die Frau mit blauen Flecken an einem Oberschenkel zeigten.
Es ist möglich, dass die Aufnahmen Teil der sado-masochistischen Praktiken zwischen Kachelmann und seiner langjährigen Freundin waren. Diese Möglichkeit hatte Brinkmann bei seinen Schlussfolgerungen überhaupt nicht in Betracht gezogen.
Deshalb sah es das Gericht als berechtigt an, dass die Staatsanwaltschaft seiner Unbefangenheit misstraute. Die Verteidigung beantragte sofort nach Verkündung des Beschlusses eine Unterbrechung des Prozesses.
Im Vergewaltigungsprozess waren zuvor zwei weitere Ex-Freundinnen des Angeklagten als Zeuginnen gehört worden. Da der 52-jährige Schweizer schweigt, will sich das Gericht durch die Befragung der Frauen ein Bild von Kachelmanns Beziehungsleben verschaffen.
Seine langjährige Freundin beschuldigt ihn, sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben, nachdem sie sich wegen seiner Untreue von ihm trennen wollte. Kachelmann beteuert seine Unschuld.
Zu Prozessbeginn hatte die Verteidigung die Vernehmungen der Frauen in scharfer Form abgelehnt, da sie nichts über die angebliche Vergewaltigung in der Nacht vom 9. Februar 2010 wissen könnten.
Ausserdem hätten die Frauen schon vor dem Prozess in den Medien geplaudert. Das Gericht folgte dem Antrag auf Ausladung der Frauen jedoch nicht. Am Mittwoch vernahm es eine 37-jährige Lehrerin und eine heute 33-jähriger Mitarbeiterin aus Kachelmanns Firma. (sda/apd)
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