Tagblatt Online, 13. August 2010 08:59:16
Regierung wehrt sich gegen Postversuch
Weniger Leistung
Die Leistungen der Post sollen nicht weiter gekürzt werden (Bild: Bild: Keystone)
APPENZELL. Die Regierung (Standeskommission) von Appenzell Innerrhoden befürchtet durch den Pilotversuch der priorisierten Postzustellung die Pressevielfalt bedroht. Mit dem Versuch gefährde die Post die Identität des Kantons.
Ab September will die Post in der Stadt St.Gallen und Appenzell «die Zustellung der Post effizienter machen». Konkret werden Firmenkunden früher bedient, Privatkunden sollen ihre Post bis spätestens 14 Uhr im Briefkasten haben. Die Orientierung ist auf Mitte August geplant.Doch bereits jetzt gibt es massiven Widerstand. Die Regierung des Kantons Appenzell Innerrhoden greift den Plan der Post an. Die Post wolle nach eigenen Aussagen nur in Gebieten testen, in denen für Zeitungen eine Frühzustellung existiere. «Diese Aussage suggeriert, dass sich für den Zeitungsabonnenten keine spürbaren Änderungen ergeben», schreibt die Regierung in einer Mitteilung.
Im Kanton Appenzell Innerrhoden wird jedoch nur die Appenzeller Zeitung früher zugestellt. Der Appenzeller Volksfreund wird durch die Post verteilt und könnte in der Versuchsphase gewisse Abonnenten erst um 14 Uhr erreichen. Die Regierung schreibt: «Eine solche Verschlechterung des Service public kann nicht unwidersprochen hingenommen werden.»
Es würden Abonnementskündigungen drohen und durch den möglichen Verlust einer Zeitung die Identität des Kantons in Gefahr gebracht werden. Auch die Notwendigkeit des Versuchs wird von der Regierung bezweifelt. Die Segmentierung der Zustellung «wird bereits heute organisatorisch als grenzfällig empfunden», heisst es in der Mitteilung vom Freitag. Die Post verfolge weiter diesen - auch vom Postregulator kritisierten - Weg.
Die Innerrhoder Regierung hat der Post ein Protestschreiben geschickt. Im Brief werden die Abstriche beim Service, die sinkende Kundenzufriedenheit und die kostspieligen Zusatzprobleme bemängelt. Auch seien die Direktbetroffenen, die Behörden und Zeitungen nur unzulänglich informiert worden. (pd/rr)
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