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Tagblatt Online, 03. Dezember 2010 17:48:23

Kachelmann-Anwalt schimpft über Scharlatanerie

Kachelmann im Gerichtssaal im Landgericht in Mannheim Zoom

Kachelmann im Gerichtssaal des Landgerichts in Mannheim. (Bild: Archivbild: Keystone)

MANNHEIM/GAIS. Jörg Kachelmanns neuer Anwalt Johann Schwenn geht weiter in die Offensive. Im Vergewaltigungsprozess kritisierte er Gutachter scharf, griff den Burda-Verlag an und verlangte mehr Öffentlichkeit für die Verhandlung.

Vor dem Mannheimer Landgericht stellte er zudem zahlreiche Anträge - unter anderem einen Befangenheitsantrag gegen die Sachverständige Luise Greuel.

Schwenn liess zudem die Unterlagen eines Therapeuten des mutmasslichen Opfers beschlagnahmen. Ausserdem mäkelte er an der Strategie seines Vorgängers Reinhard Birkenstock herum.

Die Bremer Psychologin Greuel hatte in ihrem Gutachten, auf das sich die Staatsanwaltschaft auch bei ihrer Anklageerhebung stützte, die Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Vergewaltigungsopfers analysiert. «Sie ergeht sich in Spekulationen zu traumatisch bedingten Scheinerinnerungen und verlässt damit ihr Fachgebiet und wildert auf dem Gebiet der Psychiatrie», sagte Schwenn.

Nochmalige Einvernahmen?
Indem die Psychologin dem mutmasslichen Opfer die Möglichkeit gebe, sich auf Schein-Erinnerungen zu berufen, habe sie ein Netz unter ihr gespannt, in das sie hineinfallen werde, wenn Kachelmann freigesprochen werden sollte.

Somit könne sie sagen, was sie will - rechtlich belangt werden könne sie dafür nicht. «Das ist ein typischer Ausdruck von Jagdinstinkt und begründet bei einem Sachverständigen die Befangenheit.»

Beim Thema Öffentlichkeit wandte sich Schwenn gegen die Strategie seines Vorgängers Birkenstock. Er beantragte, den Traumatologen Günter Seidler am kommenden Mittwoch zumindest teilweise öffentlich zu hören.

Die Kammer lehnte dies ab. Schwenn gab daraufhin mehrfach zu verstehen, dass ein zu weitgehender Ausschluss der Öffentlichkeit ein möglicher Revisionsgrund ist: «Es geht darum, dass die Öffentlichkeit ihre Kontrollfunktion wahrnehmen kann.»

Er liess durchblicken, dass seiner Ansicht nach auch zahlreiche Zeuginnen erneut vernommen werden müssen. Erneut griff Schwenn den Burda-Verlag an, der Exklusivverträge mit mehreren Zeuginnen abgeschlossen habe. Dies stelle nicht nur die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen infrage. Der Schweizer Kachelmann ist angeklagt, seine Ex-Freundin bedroht und vergewaltigt zu haben. Der Moderator bestreitet dies. (sda/dpa/dapd)







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