NZZ Online, 29. März 2011 18:08:00
Erste öffentliche Aussage von Kachelmanns Ex-Geliebten
Medienauftritt in der «Bunten» verteidigt
Im Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann hat eine ehemalige Geliebte erstmals öffentlich ausgesagt. Der Artikel über die Frau in der «Bunten» wurde vom Gericht heftig kritisiert. Die 34-Jährige war aber nicht die einzige Zeugin, die für Geld Interviews gab.
(ddp)
Das Landgericht Mannheim hat am Dienstag das Verhalten der Ex-Geliebten Kachelmanns kritisiert, die ihre Geschichte vor ihrer Zeugenaussage an die Presse weitergegeben hatte. Richter Joachim Bock sagte zu der Diplomkauffrau: «Es ist eine Respektlosigkeit, an die Presse zu gehen, bevor man vor Gericht erscheint.»
Für 50'000 Euro verkauft
Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die in Hamburg lebende Diplomkauffrau am 25. April 2010 von der Illustrierten «Bunte» 50'000 Euro für ein Interview mit Bildern erhalten hatte. Die Titelgeschichte war noch vor Beginn der Hauptverhandlung erschienen, zu der auch die Diplomkauffrau als Zeugin geladen wurde. Auch zwei andere Zeuginnen haben für Geld Interviews gegeben.
Mehrmals Ferien gemacht
Die Ex-Geliebte hatte bis zur Verhaftung Kachelmanns am 20. März 2010 geglaubt, die einzige Partnerin des Wettermoderators zu sein. Sie hatte mehrmals Ferien mit Kachelmann gemacht und hatte sowohl mit seinen beiden in Kanada lebenden Kindern als auch zu seiner Mutter Kontakt. Vor Gericht rechtfertigte sie ihr «Bunte»-Interview damit, dass nach dem Bekanntwerden von Kachelmanns Doppelleben für sie «eine Welt zusammengebrochen» sei. Sie habe gewollt, «dass es rauskommt», sagte sie bei ihrer teilweise öffentlichen Vernehmung in Mannheim.
Mit Redaktorin gut verstanden
Zu den zeitlichen Abläufen gab die schlanke brünette Frau an, dass sie am 1. April 2010 in Mannheim von der Polizei vernommen wurde, am 14. April habe die «Bunte» Kontakt zu ihr aufgenommen. Der Vertrag über 50'000 Euro sei am 25. April 2010 geschlossen worden. Auch andere Medien wie «Stern» und «Süddeutsche Zeitung» hätten bei ihr angefragt.
Sie habe sich für die «Bunte» entschieden, weil sie sich mit der Redaktorin gut verstanden habe, erklärte die Zeugin. Was sie der Illustrierten gesagt habe, sei wahr, so die 31-Jährige. Weitere Leistungen habe es nicht gegeben, sie stehe aber noch in Kontakt mit der Redaktorin. Verteidiger Johann Schwenn warf im Prozess dem Burda-Verlag mehrmals gezielte Presseberichte gegen seinen Mandanten vor.
Preis in die Höhe getrieben
Das Geldangebot habe zunächst 30.000 Euro betragen, so die Ex-Freundin Kachelmanns. Dann sei von zusätzlichen Bildern und einem weiteren Interview gesprochen worden, und das zweite Angebot habe dann 50'000 Euro betragen.
Auf Befragen des Verteidigers Schwenn verneinte die Zeugin Kontakte zur «Bild»-Zeitung. Deren vor einigen Tagen erschienener Bericht über ihre Ferien in Brasilien, bei dem sie auch auf Ronald Schill traf, sei ohne ihr Hinzutun entstanden. Eine Agentur habe die Bilder verkauft. Gegen die Veröffentlichung gehe sie bereits gerichtlich vor, so die Zeugin.
Erstmals öffentlich
Vor dem öffentlichen Teil ihrer Aussage war die Zeugin hinter verschlossenen Türen befragt worden. Sie hatte bereits im Oktober 2010, damals noch unter Anwesenheit des früheren Verteidigers Reinhard Birkenstock, ausgesagt. Damals war ihre Befragung aber noch nicht abgeschlossen worden.
Am kommenden Donnerstag müssen Staatsanwalt Lars Torben Oltrogge und Oberstaatsanwalt Oskar Gattner auf Antrag der Verteidigung in den Zeugenstand. Sie sollen unter anderem Angaben zu Medienkontakten machen. Kachelmann muss sich wegen schwerer Vergewaltigung einer früheren Freundin verantworten. Er bestreitet die Tat.
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