Alpenhof, 30. August 2010 08:30:00
Der Kulturfrachter ist verankert
Alpenhof
Eine neue Heimat hat die Bibliothek des Universalinteressierten Andreas Züst im Alpenhof gefunden. (Bild: Bild: Hanspeter Strebel)
ST.ANTON. Auf dem St.Anton oberhalb von Oberegg hat der Alpenhof mit der 12'000 Bände umfassenden Bibliothek von Andreas Züst seine Pforten offiziell geöffnet. Kulturbeflissene und allgemein Neugierige freut's.
Hanspeter Strebel
Nur das Wetter stimmte nicht (wenigstens am Samstag) beim Eröffnungsfest mit Führungen durch die Bibliothek, mit Lesungen, Konzerten, Tanz und kulinarischen Köstlichkeiten. Den «schönsten Aussichtspunkt Europas», eigentlich das Hauptkapital des frisch herausgeputzten Alpenhofs auf 1100 Metern, mussten sich die nicht ortskundigen Gäste über den Einladungsprospekt extrapolieren.
Doch der Trägervereinspräsident und Toggenburger Schriftsteller Peter Weber findet die Örtlichkeit bei jedem Wetter ausgesprochen schön und interessant. Etwa wenn das Haus zum «U-Boot im Nebelmeer» wird oder der Föhn mit dem Westwind ringt. Der Oberegger Bezirkshauptmann Martin Bürki hält schlechte Witterung mit Blick auf die Alpenhof-Gäste für «noch inspirierender».
Freude am frischen «Gwändli»
Beide erinnerten in ihren Ansprachen an die Vorgeschichte. Martin Bürki betonte, bereits die früheren Hotelgäste des Anfang des letzten Jahrhunderts erbauten Alpenhofs hätten hier vorab Natur, Stille und Weitblick gesucht. Die Einheimischen trafen sich derweil zum Kafichränzli, zur Metzgete und ähnlichen Geselligkeiten.
Der Hauptmann freute sich, dass es Verein und Betriebsgenossenschaft gelungen sei, nach dem Erwerb der stillgelegten Liegenschaft in relativ kurzer Zeit den Alpenhof in ein frisches «Gwändli» zu stecken und ihm als Mehrzweckhotel, Kultur- und Begegnungsstätte neues Leben einzuhauchen. Er sei überzeugt, dass man dem Startkapital Sorge trage und den «Kulturdampfer» in Fahrt bringe.
In der gut gebuchten Probezeit der letzten Monate habe sich das Haus mit den wechselnden Gästen fast ständig verwandelt, erinnerte Vereinspräsident Peter Weber. Er verwies auch auf die engagierte Arbeit der Betreiber um Verena Schoch und auf die vielen geleisteten Fronstunden der Beteiligten im Vorfeld.
Gigantische Bibliothek
Integriert in das Eröffnungsfest war auch die Einweihung der zeitweise öffentlich zugänglichen Bibliothek von Andreas Züst mit ihren gut zehn Tonnen wiegenden 12'000 Bänden.
Diese hatte bei ihrem Umzug aus dem Zürcher Oberland auch an der Zürcher Langstrasse, im Sitterwerk St.Gallen und in der Ausserrhoder Kantonsbibliothek in Trogen Station gemacht und für Furore gesorgt. Züsts Tochter Mara und der Schauspieler, Autor und Verleger Patrick Frey, ein Freund der Familie, gaben Einblick in das Sammelgut und das Kulturverständnis des im Jahr 2000 verstorbenen Universalinteressierten.
Frey stellte sein Referat unter den Titel «Die Melancholie der Bücher» und kontrastierte das sinnliche Medium mit der spröden Digitalisierung des Schrifttums.
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