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Tagblatt Online, 31. Januar 2009 01:03:59

Kein Platz im Steuerparadies

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«Die süsse Seite vom Appenzellerland», lautet der Slogan der Feinbäckerei Guggenloch AG. Bald zieht die Firma ins Rheintal. (Bild: Bild: pk)

Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, helfen auch keine tiefen Unternehmenssteuern: Die Feinbäckerei Guggenloch zieht nach 19 Jahren von Urnäsch ins Rheintal. Dadurch gehen in Ausserrhoden zehn Arbeitsplätze verloren.

PATRIK KOBLER

URNÄSCH. Zum Glück umweht ein feiner Duft das baufällige Gebäude an der Herisauerstrasse, ansonsten würde man kaum vermuten, dass darin die Feinbäckerei Guggenloch AG zu finden ist. Der Eingang ist nur über eine halsbrecherische Stufe zu erreichen. «Passen Sie auf, dass Sie nicht ausrutschen», ruft einem Juniorchef Christian Weniger zu. Auch sein Büro, das er mit seinem Vater Ueli teilt, ist wenig repräsentativ. Kunden werden hier darum schon lange nicht mehr empfangen. Hinzukommt, dass die Produktionsräume inzwischen viel zu klein geworden sind.

Zwei Jahre lang suchte Ueli Weniger deshalb nach einem neuen Standort in Ausserrhoden. Dazu wandte er sich auch an die Wirtschaftsförderung und die Behörden. Ohne Erfolg: Sie konnten ihm nicht weiterhelfen; weder bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude noch mit finanzieller Unterstützung. Insgeheim ist er etwas enttäuscht darüber. «Tiefe Unternehmenssteuern alleine nützen nichts, wenn die flankierenden Massnahmen fehlen», sagt er.

Neustart im Rheintal

Schliesslich wurde Ueli Weniger via Internet im St. Galler Rheintal fündig. Der Ausserrhoder Unternehmer lobt die professionelle Zusammenarbeit zwischen Bank und Behörden im Nachbarkanton. «Die Bank hat uns die Möglichkeiten aufgezeigt, wo wir Unterstützung bekommen und an wen wir uns wenden müssen.» Per Anfang des nächsten Jahres siedelt die Guggenloch AG nun nach Au über. Dort liegen sie nahe bei der Autobahn sowie an den Grenzen zu Deutschland und Österreich. Dies bietet der Firma neue Wachstumsperspektiven.

Obwohl Ueli Weniger sich über die Lösung freut, herrscht bei ihm nicht nur eitel Sonnenschein. Die meisten der zehn Mitarbeitenden wollen nämlich den Weg ins Rheintal nicht in Kauf nehmen. Deshalb muss er fast das ganze Team ersetzen. «Viele sind langjährige Mitarbeiter; der Know-how-Verlust ist enorm», sagt er. Derzeit sucht er nach neuen Bäcker-Konditoren sowie Personal für die Verpackung und den Versand. Sie werden danach bis zur Betriebsaufnahme in Au sukzessive am jetzigen Standort eingearbeitet. Das bringt einen finanziellen Mehraufwand mit sich, der bei einem Verbleib in der Region Urnäsch erspart geblieben wäre.

Datenbank im Aufbau

Die Bestandespflege auf die Fahnen geschrieben hat sich das neugeschaffene Ausserrhoder Amt für Wirtschaft. Amtsleiterin Karin Jung, sie ist erst seit Jahresbeginn tätig, bedauert den Wegzug der Guggenloch AG. «Es ist tatsächlich ein Problem, im Kanton geeignete Liegenschaften zu finden. Das Angebot ist begrenzt», sagt sie. Um wenigstens einen besseren Überblick zu schaffen, wird nun eine zentrale Datenbank aufgebaut.





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