Tagblatt Online, 28. Februar 2009 01:00:58
Geburtshelfer der IG Sport
Bruno Eugster hat mitgeholfen, die IG Sport zu gründen. Der Gründungsakt findet am Dienstag im Sportzentrum statt. (Bild: Bild: dsc)
Bruno Eugster stand der Idee zuerst skeptisch gegenüber: Zu viele Versuche, eine Herisauer IG Sport zu gründen, waren im Sand verlaufen. Doch diesmal klappt es, und der langjährige FCH-Funktionär wird Teil des breit abgestützten Vorstands.
David Scarano
Herisau. Eine Interessengemeinschaft (IG) Sport ist keine Neuheit. In der Region wurden beispielsweise in Gossau und Romanshorn ähnliche Vorhaben bereits realisiert, jedoch mit unterschiedlichem Erfolg. Die St. Galler Organisation ist aus der Gossauer Sportwelt nicht mehr wegzudenken. In den zwölf Jahren des Bestehens hat sie vieles auf die Beine gestellt. Das Gegenbeispiel ist Romanshorn: Nach nur einem Jahr wurde die Oberthurgauer IG bereits wieder aufgelöst. Zu wenig gross war der Rückhalt in den Vereinen. Zudem fehlte eine Persönlichkeit, die den Verein anführte. Bis zum Schluss blieb das Präsidium unbesetzt.
Am kommenden Dienstag findet nun die Gründungsversammlung der IG Sport Region Herisau statt. Die Vorzeichen sind gut. Oder anders formuliert: Die Hinterländer weisen beim Start mehr Ähnlichkeiten mit den St. Gallern auf als mit den Oberthurgauern – nicht nur, weil IG-Sport-Gossau-Präsident Norbert Thaler aktive Starthilfe leistete. Für die Herisauer Organisation spricht der schon grosse Rückhalt bei den Vereinen. Nach aktuellem Stand macht beim Start rund die Hälfte der Herisauer Vereine mit, darunter die grossen FCH, SCH und die Turnvereine. Viele davon haben die Gründung während eines Jahres gemeinsam vorbereitet. Der wohl grösste Unterschied zu den Oberthurgauern findet sich beim Vorstand, angefangen an der Spitze. Mit Peter Schmid, dem ehemaligen Kantonsrat und Ex-Vorsitzenden des Ausserrhoder Industrievereins, stellt sich eine namhafte Persönlichkeit als Präsident zur Verfügung. Auch dank der restlichen Vorstandsmitglieder deutet vieles darauf hin, dass die IG bereits bei der Geburt gut aufgestellt ist. Unter anderem sind mit den Einwohnerräten Franz Rechsteiner (CVP) und Markus Brönimann (FDP) zwei aktive Politiker mit von der Partie. Eher aus der sportlichen Ecke stammt Bruno Eugster, der das Ressort Finanzen übernimmt. Der langjährige FC-Herisau-Funktionär ist sicher: «Mit diesem Vorstand legen wir eine gute Basis.»
Der Kenner
Bruno Eugster kennt die Herisauer Sportszene wohl wie kein Zweiter. Seit fast vier Jahrzehnten setzt sich der Vater von FCH-Captain Peter Eugster dafür ein. Er hat einige erfolglose Versuche miterlebt, eine IG Sport in der Gemeinde zu gründen. Deshalb reagierte er zuerst skeptisch, als er vor einem Jahr vernahm, dass dank der Initiative von Patrik Kobler ein erneuter Versuch gewagt wird. «Ich befürchtete, dass wie in den Jahren zuvor die Bereitschaft bei den Vereinen dafür zu klein wäre», sagt er. Wie eingangs erwähnt, war das diesmal nicht der Fall, und Bruno Eugster liess sich schnell überzeugen, Teil des Kernteams zu werden und die Gründung voranzutreiben.
Konkreten Beitrag leisten
Braucht es aber in Herisau eine IG Sport? Dies sei eine berechtigte Frage, antwortet Bruno Eugster. Er sagt zudem, die Herisauer Sportwelt gehe ohne diese Interessengemeinschaft nicht unter. Trotzdem ist er vom Vorhaben überzeugt: «Unsere Organisation wird einen konkreten Beitrag leisten, um die Situation zu verbessern.» Dabei denkt er nicht nur an den Schulsport, dessen aktuellen Zustand er diplomatisch als «nicht allzu gut» bezeichnet und deshalb zu verbessern sei. Die Vereine würden trotz mehr Aktivmitgliedern je länger je mehr mit Problemen konfrontiert, die ihre Ressourcen aufgrund der zurückgegangenen Bereitschaft, ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen, übersteigen würden. «In solchen Fällen könnten wir helfen», sagt Bruno Eugster.
Nach innen und aussen tätig
Die IG will den Sport im allgemeinen fördern und soll als Dachorganisation funktionieren, die nach innen und aussen tätig ist. Sie steht ihren Mitgliedern beratend und helfend zur Seite. Zudem nimmt sie deren Anliegen auf, kanalisiert sie und kann somit stärker gegenüber Gemeinde und Kanton auftreten. In der Vergangenheit seien jeweils Einzelvorstösse getätigt worden, aber ohne grossen Erfolg, so das Vorstandsmitglied in spe. Ein Beispiel für ein mögliches Engagement der IG: In Herisau lässt die sportliche Infrastruktur zu wünschen übrig. Sportplätze und Hallen fehlen. Auch das Kreckel-Areal weist Verbesserungspotenzial auf. Die IG könnte auf die Gemeindebehörden zugehen und die Anliegen bei ihnen deponieren. Das kann gemäss Bruno Eugster so weit gehen, dass man konkrete Projekte einreicht und sich öffentlich dafür einsetzt. «Voraussetzung ist jedoch, es handelt sich um ein übergeordnetes öffentliches Interesse und die Wünsche sind realisierbar», so der designierte Finanzchef.
Zusammenarbeit mit Gemeinde
In der Herisauer Sportszene waren in den vergangenen Jahren jedoch nicht nur die Infrastrukturprobleme offensichtlich, auch auf Verwaltungsebene lag einiges im argen. Auf der Gemeindeverwaltung gab es bisher keinen eindeutigen Ansprechpartner. Das wird sich ändern: Der Gemeinderat hat beschlossen, eine Koordinationsstelle Sport zu schaffen. Mit dieser wird die IG Sport eng zusammenarbeiten. Dann treffen die Ansprechpartner der Vereine und der Gemeinde aufeinander.
Dass die Zusammenarbeit fruchtbar sein wird, davon geht Bruno Eugster aus. Er sagt auch, dass die IG gegenüber der Gemeinde nicht nur Ansprüche stellen wird. «Wir werden auch etwas zurückgeben.» Möglich ist beispielsweise, dass die IG bei Grossanlässen unter ihren Mitgliedern Helfer sucht. Die Gemeinde hat unter anderem die Koordinationsstelle geschaffen, weil sie wusste, dass sie in der IG einen zuverlässigen Partner haben wird. Aber nicht nur die Gemeinde hat die IG ideell unterstützt, der Kanton hat sich diesbezüglich ebenfalls positiv geäussert. So sagte Erich Brassel, Leiter des Ausserrhoder Amts für Sport, vor einem halben Jahr, es sei der richtige Zeitpunkt, um ein solches Sportnetzwerk zu gründen. Eine vertiefte Zusammenarbeit sei unabdingbar.
Wie der Name schon sagt, steht die IG Sport Region Herisau nicht nur Vereinen aus dem Dorf offen. Auch Organisationen aus den angrenzenden Gemeinden wie Waldstatt oder Schwellbrunn dürfen zu einem späteren Zeitpunkt mitmachen, wenn sich die IG eingespielt hat. Doch zunächst folgt am Dienstag die Gründungsversammlung. Und bis vor einem Jahr hätte dies Bruno Eugster in Herisau für unmöglich gehalten.
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