Tagblatt Online, 10. Juli 2010 12:19:00
1587–2011: Die Kapuziner gehen
Ein Blick hinter die Klostermauern. (Bild: Bild: gbe)
APPENZELL. Seit 1587 führen die Kapuziner in Appenzell ein Kloster. Nach 423 Jahren geht diese Ära nächstes Jahr zu Ende. Auf zwei «thema»-Seiten fragen wir nach den Gründen.
Guido Berlinger-Bolt
An ihrem Ursprung steht Franziskus von Assisi (1181/82–1226); an seiner Lebensweise orientieren sich die Kapuziner und an seinen Idealen. Auch die zehn verbliebenen Brüder in Appenzell lebten in strenger Armut, Keuschheit und Gehorsam. Zehn sind es heute noch, fast alle über 80 Jahre alt; Nachfolger gibt es keine. Die Schliessung des Klosters an der Hauptgasse 49 ist die logische Antwort auf Fragen der Zeit, auf Veränderungen in der Gesellschaft, in unserer Lebensweise.
Wer bindet sich heute noch gerne? Wer verzichtet auf allen Besitz, auf Freunde und Familie?
Vor fünfzig, sechzig Jahren war das anders. Damals lebten 40 Kapuzinerbrüder in dem grossen Wohnhaus; das waren so viele, wie das Haus zu fassen vermag. Im Garten blühten Blumen; der grösste Teil der Fläche jedoch war für Gemüse und Salat vorgesehen – für den Eigengebrauch.
Eine Türe in der Südfassade zu diesem Garten hin weist den Weg zur Grossküche; ihre grosszügige Anlage zeugt noch vom Leben, das hier einst geherrscht haben muss. Heute ist es still in der Küche; draussen im Garten jätet müde ein alter Bruder etwas Unkraut. Auch er, sagt Bruder Karl, der uns durch die Anlage führt, auch er sei über 80, der Garten längst zu gross geworden. Einen Teil der Anbaufläche hat man zu Rasen gemacht, dazwischen einige Sträucher gepflanzt.
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