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Tagblatt Online, 05. Mai 2009 01:02:42

Bald keine «Relistunden» mehr?

Blockzeiten machen es immer schwieriger, den Religionsunterricht im Rahmen des Stundenplans zu plazieren. Die Kirchen schlagen deshalb neue Modelle vor und warten seit letztem September auf eine Antwort des Kantons.

roger fuchs

ausserrhoden. Derzeit gibt es im Kanton Appenzell Ausserrhoden keine gesetzlichen Grundlagen, die verlangen würden, den Religionsunterricht in die Strukturen der Schule einzubinden. «Wir sind in allen Gemeinden auf den Goodwill der Schulleitung und des Lehrerteams angewiesen», bilanziert Corinna Boldt, Kirchenrätin der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell. Dieser Zustand befriedige nicht und sorge regelmässig für Unmut bei Eltern. Ganz aktuell erhalte sie etliche Reaktionen aus Gais.

Lange Zeit sei Religion dort im Stundenplan integriert gewesen. Auf das neue Schuljahr hin soll dies plötzlich nicht mehr möglich sein, sagt Boldt.

Um dem ewigen Hin und Her einen Riegel zu schieben, hat der Kirchenrat letztes Jahr beschlossen, gemeinsam mit der Katholischen Kirche auf den Kanton zuzugehen und ihm neue Modelle für die Integration des Religionsunterrichts vorzuschlagen.

Drei Modelle

Das im September 2008 verschickte Papier enthält nebst dem Status quo drei neue Modelle: «Modell A» schlägt einen vom Kanton finanzierten und verantworteten Unterricht für das Religionen-Lernen innerhalb der Stundentafel vor. «Modell B» unterscheidet sich dahingehend, dass die Kirchen beispielsweise in der Konzeption oder der Durchführung am Unterricht beteiligt wären.

«Modell C» schlägt einen von den Kirchen verantworteten Religionsunterricht vor, der nach Möglichkeit ökumenisch ausgerichtet ist, im Rahmen der Schule stattfindet und von den Landeskirchen finanziert wird.

Die Kirchen machen sich stark dafür, «Modell C» weiterzuverfolgen. Auch im Kanton St. Gallen sei dieses Model Usus, begründet Boldt.

Ferner falle bei diesem Modell positiv ins Gewicht, dass die Kirchen selbst für den Unterricht verantwortlich seien, dieser aber nicht mehr am Rand stattfinden würde.

Kanton schaut sich um

Ob der Kanton diese Überlegungen teilt, scheint jedoch ziemlich ungewiss. «Wir haben das besagte Papier erhalten», sagt Walter Klauser vom Ausserrhoder Amt für Volksschule.

Dass man bis anhin noch nicht geantwortet habe, hänge mit dem für alle Deutschschweizer Kantone geplanten «Lehrplan 21» zusammen, in dessen Zusammenhang diese Frage angepackt werden soll. Ausserdem habe man Zeit gebraucht, um sich in anderen Kantonen umzuschauen. Insbesondere verweist Klauser auf die Kantone Graubünden und Zürich. In Graubünden wird am 17. Mai über die Initiative zur Einführung eines Ethik-Unterrichts an den Schulen abgestimmt. Zürich setzt auf das Fach «Religion und Kultur», mit dessen Einführung bis spätestens 2010/11 alle Primarschulen beginnen müssen.

Nicht im Rahmen der Schule

Ginge es nach Klauser, würde es auch in Ausserrhoden auf einen fachübergreifenden Ethik-Unterricht hinauslaufen. «Der konfessionelle Teil braucht Gefässe, aber nicht im Rahmen der Schule», sagt er. Detaillierte Fragen sollen im Gespräch mit den Kirchen geklärt werden. Im Vordergrund stehe für ihn ein einheitliches kantonales Konzept. Auf die Frage, wann die Kirchen denn mit einer Antwort rechnen dürfen, nennt Walter Klauser den jetzt angelaufenen Monat Mai.

Für Corinna Boldt kommt diese Antwort nicht überraschend. Sie hat sich denn auch schon Gedanken gemacht, wie es weitergeht, falls die Kirchen nicht an einem fachübergreifenden Unterricht beteiligt wären. Die Kirchen müssten lernen, damit zu leben und schauen, welche Inhalte in einem vom Kanton angebotenen Unterricht vermittelt werden können. «Und die Kirche müsste dann selber auf freiwilliger Basis einen identitätsstiftenden Unterricht anbieten», so Boldt.

Im Schuljahr 2009/10 wird vorerst der aktuelle, unbefriedigende Zustand eine Fortsetzung finden.





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