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Tagblatt Online, 31. Oktober 2008 06:49:00

«Alp-Stein» – ein Stück Heimat für jeden

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Vernissage zur sechsten AR't Herisau: «Alp» und «Stein» und viele Kunstinteressierte. (Bild: Bild: Martina Basista)

HERISAU. Die sechste AR't Herisau im Alten Zeughaus ist am Mittwochabend eröffnet worden. Fünf Künstlerinnen und ein Künstler zeigen ihre Skulpturen, Bilder und Fotos zum Thema «Alp-Stein».

Christine König

Für die Appenzellerinnen und Appenzeller ist der Alpstein stets präsent. Oder wie Sylvia Bühler, Präsidentin des Vereins AR'T Herisau, anlässlich der Vernissage am Mittwochabend im Alten Zeughaus sagte: «Er ist unsere Heimat.» Dieses Gebirge, dieser Berg, dieser Fels werde aber von jeder und jedem anders wahrgenommen. Und deshalb lautet das Motto der Künstlerausstellung nicht einfach «Alpstein», sondern «Alp-Stein». Der Bindestrich macht den Unterschied. Der Bindestrich lässt den sechs Kunstschaffenden Raum für Individualität, lässt ihnen die Wahl zwischen Farben, Formen, Materialien – gibt ihnen Platz für Empfindungen und Ausdrucksweisen, lässt sie den Alpstein so zeigen, wie sie ihn sehen.

Alpen und Steine

Und sie sehen ihn in der Tat ganz unterschiedlich. Claire Cuorad aus Speicher, Christiane Dörig aus Weissbad, Christoph Fuchs aus Lutzenberg, Mäggi Gmünder aus Haslen, Doris Müller aus Teufen und Silvia Sonderegger aus Oberegg zeigen Skulpturen (Fuchs), Makro-Fotografien (Dörig) und Bilder (die restlichen vier). Sie zeigen Alpen und Steine, Alpleben und Steinfiguren. Passend dazu an der Vernissage: Die Stegreifgruppe Alpstein-Six umrahmte den Anlass musikalisch.

Hans Hürlemann, Journalist im «Unruhestand» aus Urnäsch, ist auch so einer, für den der Alpstein sein Zuhause ist. Er hielt die Eröffnungsrede und begann ganz elementar, nämlich mit Eckdaten: Der Alpstein ist das geographisch verbindende Gebirge zwischen Inner-, Ausserrhoden und dem Kanton St. Gallen. Er gehört zum tausend Kilometer langen Alpenbogen, ist 28 Kilometer lang und zwischen Gams und Schwägalp 13 Kilometer breit. Hans Hürlemann zitierte den Geologen und Glaziologen Oskar Keller, der einmal geschrieben hat, dass der Alpstein tatsächlich den richtigen Namen habe, denn seine Natur sei alpin und steinig, und er sei vergleichbar mit einem Einzelstein in einem Mosaikbild. Eine schöne Parallele zur aktuellen Gruppenausstellung, in der jeder Künstler seinen Teil zum Thema beitrage, fand der Redner.

Bei Sennen übernachtet

Auch zu den Einzelteilen «Alp» und «Stein» hat sich Hans Hürlemann Gedanken gemacht. Alp, das sei eine Bergwiese, Alp, das sei aber auch ein Qualitätsbegriff geworden: Alpkäse, Alpenluft, Alpenkräutertee. Die Alp, aber auch ein Ort der Sünde gemäss Auszügen aus Urnäscher Bussenbüchern: Etwa wenn Frauen auf den Alpen den Sennen nachgegangen sind und sogar bei ihnen übernachtet haben.

Zu «Stein» erzählte er ein paar Anekdoten von Männern mit «Stein» im Namen, zum Beispiel von Jacob Kürsteiner, der 1729 in Hundwil zwei Pfund wegen nächtlichem Johlen und Jauchzen zahlen musste. Den Besucherinnen und Besuchern der AR't Herisau wünschte er einen ertragreichen Rundgang durch die Ausstellungen mit vielen Anregungen – «ganz gleich, ob sie etwas mit Alp, mit Stein, mit beidem oder mit ganz anderem zu tun haben». Alpstein oder «Alp-Stein», es ist eben Interpretationssache.

AR't Herisau: bis 9. November im Alten Zeughaus Herisau, Montag bis Donnerstag, 15 bis 19 Uhr; Freitag, 15 bis 21 Uhr; Samstag und Sonntag, 13 bis 17 Uhr.




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