IT-Offensive wird teurer

KANTON ST.GALLEN ⋅ 75 statt wie bisher angekündigt 50 Millionen Franken will der St. Galler Regierungsrat in die kantonale IT-Bildungsoffensive investieren. Das Stimmvolk kann im Herbst 2018 darüber befinden.
07. September 2017, 07:00
Roman Hertler

Roman Hertler

roman.hertler@tagblatt.ch

Der Kanton St. Gallen soll zu den Gewinnern des digitalen Wandels zählen. Das schreibt die Regierung in ihrem Communiqué zur IT-Bildungsoffensive. Sie will «ihre Wirt­schaft und Bevölkerung» auf die digitale Zukunft vorbereiten. Man will «Bildungsrückstände auf- und Vorsprünge heraus­holen». 75 Millionen Franken verteilt über acht Jahre will die Regierung dafür in die Hand nehmen – 25 Millionen mehr als ­Bildungsdirektor Stefan Kölliker im November 2016 noch angekündigt hatte. «Wir haben nicht eine präzise Summe vorgegeben, sondern in einem angedachten Kreditfenster von etwa 50 bis maximal 100 Millionen Franken mit unseren Partnern Massnahmen erarbeitet und deren Kosten hochgerechnet», sagt Kölliker auf Anfrage. «Dabei sind wir letztlich bei knapp 75 Millionen Franken angelangt.»

Die IT-Bildungsoffensive sieht 20 Massnahmen vor, die in vier Schwerpunkten gebündelt sind. Drei Schwerpunkte gehen dabei von den kantonalen Hochschulen aus. So richtet die Universität St. Gallen (HSG) einen neuen Lehrgang in Informatik und Management an. Zudem wird eine neue School mit 27 Dozierenden jährlich 50 Master- und 100 Bachelor-Absolventen im Bereich «Information and Computing Science» ausbilden.

Die St. Galler Fachhochschulen werden gemeinsam ein Kompetenzzentrum für Angewandte Digitalisierung betreiben. Dadurch könnten die Standorte ihre Studiengänge dort anbieten, wo sie nachgefragt werden. Die Päda­gogische Hochschule St. Gallen (PHSG) wird mit Modellschulen auf allen Stufen digitale Unterrichtsformen erproben und zertifizierte Weiterbildungen für Lehrpersonen anbieten.

Finanzierung ist noch nicht geregelt

Hierfür hat das kantonale Bildungsdepartement einen Verteilschlüssel erarbeitet. So soll die HSG 25, 1 Millionen Franken erhalten; die Fachhochschulen 16,7 Millionen und die PHSG 21,5 Millionen. 2,8 Millionen gehen an den Verein IT St. Gallen mit der Marke «IT St. Gallen rockt», der damit eine Vernetzungsplattform aufbaut, auf der Praktikums­plätze für Jugendliche in IT-Firmen vermittelt werden. 7,5 Millionen will der Kanton bereit­halten zur Mitfinanzierung pri­vater Initiativen und Projekte, welche Schülerinnen und Schüler für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sensibilisieren wollen.

Unklar ist hingegen noch, wie die kantonale IT-Offensive finanziert werden soll. Der Regierung schwebt für den «Sondereffort» ein Sonderkredit vor. Sie begründet dies damit, dass die finanziellen Mittel nicht über die ordentlichen Budgets aufgefangen ­werden könnten und die Offen­sive eine langjährige Planungs­sicherheit verlange.

Anders sehen dies die bürgerlichen Fraktionen des Kantonsrats, die bereits im Frühjahr gefordert hatten, das besondere Eigenkapital anzuzapfen (Aus­gabe vom 7. April 2017). Dieses ist für Gemeindefusionen und Steuersenkungen vorgesehen. Davon hält wiederum der Regierungsrat wenig. «Über die Verwendung des Eigenkapitals hat der Kantonsrat früher intensive Diskussionen geführt und entsprechend Beschlüsse gefasst. Diese sollen jetzt nicht wieder in Frage gestellt werden», so Bildungschef Stefan Kölliker.

Ab der Februarsession 2018 soll sich das Parlament mit der Vorlage befassen. In der zweiten Jahreshälfte soll dann das Stimmvolk über den allfälligen Sonderkredit befinden können.


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