Operation Smart: Wie die St.Galler Kantonspolizei mithalf, ein internationales Drogenkartell auszuheben

ST.GALLEN/VORARLBERG ⋅ Ermittler aus der Schweiz, Österreich und Serbien haben ein internationales Kartell ausgehoben. Die Bilanz: 54 Festnahmen und 150 Kilo sichergestellte Drogen zu einem Marktwert von rund 700'000 Franken.
Aktualisiert: 
17.04.2018, 20:00
17. April 2018, 10:47
Melanie Fetz, Dinah Hauser
Es geht um Heroin, Kokain und Marihuana, einen geplanten Raubüberfall auf ein Spielcasino, Drogenbunker in Wäldern und über 50 Festnahmen. Was nach gutem Stoff für ein Hollywood-Drehbuch klingt, ist tatsächlich passiert. Die Spur von St.Gallen nach Serbien – mitten drin Vorarlberg.

Drei Jahre lang haben sich Ermittler aus den drei Ländern an die Fersen eines Kartells geheftet und 150 Kilo Drogen zum Strassenverkaufswert von rund 700'000 Franken sichergestellt.
Das österreichische Bundeskriminalamt informierte am Dienstag in Zauchensee über die länderübergreifende Operation.

Begonnen hatte sie im September 2015 in Rorschach, wo der St.Galler Kantonspolizei zwei serbische Drogenhändler ins Netz gingen. Dabei fanden sie Bargeld, Heroin und Streckmittel. Wenig später kamen die Fahnder einem der Drahtzieher der Bande, einem 47-jährigen Serben, auf die Schliche. Da dieser wegen der Drogengeschäfte regelmässig zwischen seinem Heimatland, Österreich und der Schweiz hin und her pendelte, machten Ermittler aus den drei Ländern gemeinsame Sache.
 

Heroin, Kokain und Marihuana geschmuggelt

Da die ersten Verdächtigen mit einem Smart unterwegs gewesen waren, tauften die Polizisten die Aktion "Operation Smart". Im Zuge der Spurensuche stellte sich heraus, dass die Bande Heroin und Marihuana vom Balkan in die EU und die Schweiz schmuggelte. Im Oktober 2016 stoppten St.Galler Polizisten einen Lastwagen mit 35 Kilo Marihuana. Im März und Juli 2017 nahmen Beamte mehrere Verdächtige fest und stellten Heroin sicher. Im Oktober schliesslich klickten für den Drahtzieher in Oberösterreich die Handschellen. In Hard schnappten die Vorarlberger Ermittler enge Mitarbeiter der Chefetage, darunter einen Italiener und eine Serbin. Der serbische Drahtzieher hatte eine Wohnung in Vorarlberg; die Bande versteckte die Ware im Boden, ohne dass die Löcher für Spaziergänger sichtbar gewesen waren. «

"Es waren die grössten Drogenbunker, die wir bisher im Land gefunden haben", sagt ein Vorarlberger Polizeisprecher. Im Rahmen der Operation konnten Polizisten im November 2017 zudem einen Überfall auf ein Spielcasino in Lindau verhindern. Im vergangenen März war für einen weiteren Kurier der Organisation am Flughafen von Amsterdam Endstation. Dieser hatte Kokain aus Peru abgeholt und befindet sich nun in Holland in U-Haft.
 

Das Kartell machte sein Geld vor allem in der Schweiz

Insgesamt gab es 35 Festnahmen in der Schweiz, 10 in Österreich und 11 in Serbien. Die meisten Bandenmitglieder stammen aus dem serbischen Niš. Das Kartell war aufgebaut wie ein Produktionsbetrieb. Es gab den Chef, seine engsten Mitarbeiter, Logistiker, Kuriere, Zellenchefs und Läufer für den Verkauf auf der Strasse. Neben Drogen wurden Smartphones, Datenträger und Schusswaffen sichergestellt. Der Handel war auf die Schweiz ausgerichtet. Dies zeigen die vielen Festnahmen und Drogenfunde hierzulande.

Die internationale Zusammenarbeit verlief laut dem St.Galler Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli bestens. "Die internationalen Abkommen funktionieren in diesem Bereich sehr gut." Die Behörden wollten stets den Kopf der Bande ermitteln. Nur so könne ein Ring zerschlagen werden, Strassendealer seien rasch ersetzbar.  Wichtig in den Teams waren auch Dolmetscher, die eng mit den Ermittlern zusammenarbeiteten und bei Befragungen der Beschuldigten Wort für Wort übersetzten.

Die Polizei beobachtet seit jüngster Zeit eine Veränderung im Drogenhandel. Früher konzentrierten sich die Händler in der Regel auf den Verkauf einer Sorte. "Heute stellen wir vermehrt fest, dass Drogenhändler mehrere Sorten Drogen zum Verkauf anbieten", sagt Rezzoli.

 

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