HSG will auch in der Forschung zulegen

UNIVERSITÄT ⋅ Die Universität St.Gallen beschäftigen Bauprojekte, wie der neue Campus am Platztor, aber auch die Weiterentwicklung der Lehre. Ein zentrales Thema ist die Suche nach Forscherinnen und Forschern. Zu den neueren Angeboten gehört ein Behavioral Lab.
11. September 2017, 15:32
Rund um die Universität wird bald viel gebaut: Geplant sind ein neuer Campus für bis zu 3000 Studierende, ein Learning Center und die Sanierung der Bibliothek.

Mit diesen Projekten werde die HSG, aber auch die Ostschweiz gestärkt, sagte Bildungschef Stefan Kölliker (SVP) an der Jahresmedienkonferenz der Universität St. Gallen am Montag. Andere Kantone planten in den kommenden Jahren bedeutend höhere Investitionen in ihre Universitätsinfrastruktur, stellte er fest.
 

Medizinstudium ab Herbst

Zusammen mit dem Kantonsspital St. Gallen ist an der HSG die Ausbildung zum Medical Master vorgesehen. Das Vorhaben muss 2018 allerdings noch an der Urne abgesegnet werden. Bereits diesen Herbst werden 40 Maturandinnen und Maturanden auf dem "St.Galler Track" mit dem Bachelor-Studium in Zürich beginnen - und später nach St.Gallen wechseln.

Es gebe auch interne Projekte, die die HSG stark beschäftigen, erklärte Rektor Thomas Bieger. Dazu gehöre die Weiterentwicklung der Lehre: "Wir wollen eine Campus-Universität sein", betonte er. Das Betreuungsverhältnis zwischen Dozierenden und Studierenden habe man zuletzt zwar gesteigert. "Aber wir sind noch nicht dort, wo wir vor dem grossen Wachstum waren."
 

Mehr Spenden sammeln

Die Universität will künftig die Einnahmen aus Spenden steigern. Man profitiere zwar von der öffentlichen Finanzierung, die für einen soliden Betrieb ausreiche. Um im Wettbewerb bestehen zu können, brauche es aber zusätzliche Mittel, so der Rektor. Unter anderem will die Universität das Learning Center aus eigener Kraft finanzieren.

Ein weiteres Thema ist die Frage, wie Forscherinnen und Forscher an die Universität gebunden werden können. Man bewege sich dabei in einem kompetitiven Umfeld, bei dem die Löhne am Steigen seien, sagte dazu Kuno Schedler, Prorektor Forscher & Faculty.

Die Universität bietet auf die jeweilige Karrieresituation angepasste Unterstützungs- und Förderprogramme an. Unter anderem solle damit verhindert werden, dass man zu viele Forschende an die Praxis verliere, wie Monika Kurath, Direktorin Forschung und Faculty erklärte. Dies sei vor allem bei Frauen der Fall.

Unterstützung gibt es beispielsweise auch für einen Assistenzprofessor, für den sich die Frage stellt, wo er künftig mit seiner Familie leben will. Diejenige Universität, die auch für dessen Partnerin eine Stelle finde, sei im Vorteil, so Kurath.
 

Verhaltenslabor im Angebot

Zur Stärkung des Forschungsangebots hat die Universität ein Behavioral Lab ausgebaut. Dort lässt sich das Verhalten von Probanden - es gibt dazu einen Pool von rund 1000 Studierenden - beobachten und auswerten.

Unter anderem wurde ein Raum mit Kameras, die auf Bewegungen reagieren sowie einem Einwegspiegel eingerichtet. Wie bei Verhörsituationen im Fernsehkrimi kann damit vom Nebenraum aus die Testperson beobachtet werden.

Ein in einem PC installierter Eye-Tracker verfolgt die Bewegungen von Pupillen und zeichnet genau auf, wo jemand beim Lesen eines Texts hängen bleibt - und welche Stellen überlesen werden. Zur Ausstattung des Virtual-Reality-Zimmers gehören neben einer Brille zwei Joysticks, die Hände simulieren. Ein Anwendungszweck dafür ist die virtuelle Darstellung des Ladens eines Detailhändlers, der Aussehen und Anordnung testen will.

Auf einem weiteren PC ist eine Software installiert, die über eine Kamera aus der Gesichtsmimik herauslesen kann, welche Emotionen den Probanden bewegen. Spürt er Zorn, Überraschung, Freude, Angst? Bisher übernimmt das Lab nur interne Aufträge an: von den Fakultäten der Universität oder von den HSG-Instituten. (sda)

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