Hauswartmörder wird nicht verwahrt

RAPPERSWIL ⋅ Drei psychiatrische Gutachten wurden über den Hauswartmörder von Rapperswil verfasst. Doch auch das jüngste Gutachten ändert nichts: Das Kantonsgericht will den Täter nicht verwahren.
12. September 2017, 06:53
Conradin Knabenhans

Das Kantonsgericht St.Gallen spricht sich gegen die Verwahrung des Rapperswiler Hauswartmörders aus. Das geht aus dem Urteilsdispositiv hervor, welches unserer Zeitung vorliegt. Es belässt den Entscheid bei der reinen Freiheitsstrafe von 18 Jahren. Auch ein drittes psychiatrisches Gutachten änderte nichts mehr am Entscheid des Gerichtes.

Der heute 63-jährige Mann hatte am 25. März 2011 den Haustechniker des ehemaligen Swisscom-Gebäudes aus nächster Nähe erschossen. Der Mann war vom St.Galler Kantonsgericht bereits 2015 in zweiter Instanz wegen Mordes zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Auf die von der Staatsanwaltschaft geforderte Verwahrung verzichtete das Kantonsgericht bereits damals. Dies aufgrund von zwei Gutachten. Die Verteidigerin des Täters gelangte nach dem Entscheid des Kantonsgerichtes an das Bundesgericht, weil sie für ihren Mandanten einen Freispruch gefordert hatte. Die Staatsanwaltschaft wiederum gelangte an das Bundesgericht, weil sie den Täter gerne verwahrt gesehen hätte.

Inhalt der Gutachten kritisiert

Das Bundesgericht bestätigte das Urteil des Kantonsgerichtes, wies es aber gleichzeitig an, ein drittes Gutachten auszuarbeiten. Das höchste Gericht hatte Ende 2015 festgestellt, dass das Gutachten von Urbaniok Mängel aufwies. Das Gutachten sei in weiten Teilen nicht durch den beauftrag- ten Frank Urbaniok (Leiter des Psychiatrisch-psychologischen Dienstes des Kantons Zürich) persönlich, sondern durch eine andere Ärztin erstellt worden, wurde begründet. Auch vom Inhalt her gab es Kritik. Unter anderem enthalte es gewisse Widersprüche und zum Thema Rückfallgefahr fehlten insbesondere ausreichend klare Prognosen. Auch ein erstes Gutachten zum Täter hatte Mängel aufgewiesen.

Das jüngste Urteil kann erneut angefochten werden. Der Täter sitzt noch immer in Uznach in Haft. Er hatte die Tat stets bestritten. Das Kantonsgericht sah dessen Schuld bereits nach der Verhandlung als erwiesen an. An einem Schuh des Beschuldigten war Blut des Opfers gefunden worden. Hände und Kleider wiesen Schmauchspuren auf. Neben diesen Indizien legte die Staatsanwaltschaft auch ein Motiv vor: Anlass der Tat könnte die Kündigung gewesen sein, die der Hauswart dem Mann überbracht hatte, nachdem dieser den Mietzins für einen Lagerraum – in welchem er unerlaubterweise übernachtet hatte– ein Jahr lang schuldig geblieben war.

Andere Lebensumstände, abnehmende Aggressivität

Warum verzichtet das Kantonsgericht auch im jüngsten Urteil auf die Verwahrung? Kantonsrichter Walter Würzer erklärt, Vor­aussetzung für die Verwahrung sei die Gefährlichkeit des Täters. «Der Mann war zum Tatzeitpunkt 57 Jahre alt und jetzt 63». 2011 habe der Mann in einer relativ bedrängten Situation gelebt, erklärt Würzer am Montag auf Anfrage. Komme der Mann aus dem Gefängnis, würden seine Lebensumstände andere sein. Er sei dann im Rentenalter und könne AHV und Ergänzungsleistungen beziehen. Zudem nehme die Aggressivität, das sei allgemein zu beobachten, mit zunehmendem Alter ab. Die Verteidigerin des Mörders will auf einen nochmaligen Weiterzug an das Bundesgericht verzichten, wie sie auf Anfrage erklärt. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen will das begründete Urteil des Kantonsgerichts abwarten und dann entscheiden, ob das Urteil an das Bundesgericht weitergezogen wird.

Conradin Knabenhans

ostschweiz@tagblatt.ch


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