«Häuser stürzen nicht einfach ein»

ABKLÄRUNGEN ⋅ Die Ursache des Hauseinsturzes in Frauenfeld ist nach wie vor unklar. Am Montag ist ein Arbeiter unter den Trümmern einer Hauswand begraben worden.
11. Oktober 2017, 07:01

Der Grund für den Einsturz des ehemaligen Restaurants Obstgarten in Frauenfeld ist nach wie vor unklar. Es gebe derzeit noch keine neuen Erkenntnisse zur Unfallursache, sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. «Die Abklärungen zusammen mit Staatsanwaltschaft, Statikexperten und Spezialisten der Suva sind noch im Gang. Zudem wurden mehrere Personen durch die Polizei befragt.»

Am Montagnachmittag ist es bei der ehemaligen Restaurant-Liegenschaft zu einem schweren Unfall gekommen. Im Rahmen von Vorarbeiten für die anstehende Sanierung des seit mehreren Jahren leerstehenden Gebäudes ist die Rückwand eingestürzt. Ein 29-jähriger Arbeiter wurde unter den Trümmern begraben. Er konnte nur noch tot geborgen werden.

Verfall beschäftigte Politik bereits im Winter

Der Frauenfelder Architekt Gabriel Müller ist Experte für historische Gebäude. «Ich kann fast nicht glauben, was da passiert ist», sagt Müller. «Häuser stürzen nicht einfach ein, weil sie alt sind. Ich habe schon viele morsche und in die Jahre gekommene Liegenschaften gesehen.» Im Vergleich zu heutigen Neubauten seien alte Konstruktionen weniger einsturzgefährdet, fügt der Fachmann weiter aus. Weshalb hat das Fundament des Hauses dennoch nachgegeben? «Wegen der Statik», sagt Müller. «Ich vermute, dass nicht ersichtliche Mängel, statische Änderungen oder eine Verknüpfung unglücklicher Umstände zum Einsturz geführt haben.»

Der «Obstgarten» hatte bereits vergangenen Winter die Frauenfelder Stadtpolitik beschäftigt. SVP-Gemeinderat Robert Zahnd hatte im November 2016 in der Fragestunde des Gemeinderates Mängel an der Liegenschaft kritisiert. Er stelle einen fortschreitenden Verfall der Liegenschaft fest, so Zahnd. Der «Obstgarten» verfalle immer mehr, die Fenster seien zum Teil eingeschlagen. Stadtrat Urs Müller hatte damals geantwortet: «Die bestehende Baute Obstgarten ist zu erhalten.»

Einzelne Teile des «Obstgartens» sind über 200 Jahre alt. Das als denkmalpflegerisch «wertvoll» eingestufte Gebäude hätte in Zukunft wieder gastronomisch genutzt werden sollen. Nun ist unklar, wie und ob es mit der Sanierung weitergeht.

 

Rossella Blattmann

rossella.blattmann@

 

thurgauerzeitung.ch


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