Japanische Brauereri verkauft Schützengarten-Kopie

COPYRIGHT ⋅ In Japan verkauft eine Kleinbrauerei Bier nach St.Galler Vorbild. Der Geschäftsführer der Brauerei Schützengarten hat damit kein Problem.
12. Januar 2018, 05:18
Joel Mähne

Joel Mähne

joel.maehne@tagblatt.ch

Der Hashtag "sanktgallen" auf Twitter führt zu Bier und eben nicht nur zu Neuigkeiten aus der Gallusstadt. Es ist nicht etwa St.Galler Gerstensaft, der die Münder der User wässrig werden lässt. Das Bier stammt von der "SanktGallen Brewery". Diese Mikrobrauerei mit fünf Angestellten liegt in der Präfektur Kanagawa, etwa zwei Stunden von der Hauptstadt Tokio entfernt. Betrieben wird sie von Nobuhisa Iwamoto. Der Japaner hat in San Francisco das Bierbrauen gelernt und sich dann entschieden, seine eigene Brauerei in Japan zu gründen. Dabei hat er sich scheinbar von St.Gallen inspirieren lassen. Die Stadt war nicht nur Namensgeber, auch die Flaschenetiketten ähneln stark dem Design der Brauerei Schützengarten. So sehr, dass sich ein Leserreporter von "20 Minuten" bereits gefragt hat, ob die Japaner hier dreist Schweizer Traditionsmarken klauen.

Reto Preisig, Geschäftsführer der Brauerei Schützengarten, reagiert gelassen: "Das ist kein Problem. Es ist ja nur eine sehr kleine Brauerei mit wenig Mitarbeitenden, die im japanischen Biermarkt eher unbedeutend ist und nicht exportiert. Schön, dass sie Werbung für St.Gallen machen."
 

Kontakt über Dolmetscher

Das "St.Galler Tagblatt" hatte bereits 2013 über diese Brauerei berichtet. In der Folge versuchte Preisig Kontakt zum japanischen Braumeister aufzunehmen. Keine einfache Sache: "Der Inhaber spricht leider nur Japanisch, daher mussten wir immer über ­einen Dolmetscher kommunizieren." Schliesslich lud der St.Galler den japanischen "Konkur­renten" aber in die Gallusstadt ein. "Ich finde den Austausch unter Braukollegen immer spannend. Zudem könnte er dann mal ‹The real SanktGallen Beer› probieren."

Echtes St.Galler Bier in Japan zu finden, könnte schwierig werden. Laut Preisig gehen nur zwei bis drei Prozent der gesamtschweizerischen Bierproduktion ins Ausland. "Wir liefern nur vereinzelt nach Sardinien, in den ­Vatikan oder dann mal einen Container nach Singapur oder Australien. Eine eigentliche Verkaufsorganisation im Ausland führen wir aber nicht." Das sei sehr aufwendig, und man wolle als regionale Brauerei zuerst die Potenziale in der Schweiz stärker nutzen. "Die Schweiz wird im Ausland nicht mit Bier assoziiert, da sind andere Länder wie Belgien, Deutschland oder Tschechien wichtiger", sagt der Geschäftsführer.

Bleibt die Frage, warum ein Japaner seine Brauerei nach einer fast 10'000 Kilometer Luftlinie entfernten Stadt benennt. Roger Walch, Journalist und Japanologe, sagte 2013 in dieser Zeitung, Iwamoto habe sich für diesen Namen entschieden, weil St.Gallens Klosterbrauerei die älteste verbriefte Brauerei der Welt sei: Auf dem weltbekannten St.Galler Klosterplan waren bereits 820 drei Brauereien verzeichnet.


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