Weil sie mehrmals die grosse Liebe vorgaukelte, muss eine Deutsche 270'000 Franken zahlen

URTEIL ⋅ Das Kantonsgericht St. Gallen hat entschieden, dass eine Rentnerin aus Deutschland eine Ersatzforderung von rund 270'000 Franken zahlen muss. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie zwei Männern die grosse Liebe vorgaukelte, um an ihr Geld zu kommen.
12. September 2017, 11:34
Das Gericht musste sich auf Weisung des Bundesgerichts nochmals mit dem Fall befassen. Sowohl die erste als auch die zweite Gerichtsinstanz waren überzeugt, dass die Frau den zwei älteren Herren in betrügerischer Absicht eine längerdauernde Liebesbeziehung vortäuschte und sie dadurch zu Geldübergaben im Umfang von rund 270'000 Franken bewegte. Am 4. September 2014 erklärte das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland die Beschuldigte des mehrfachen Betrugs schuldig und verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe vom 18 Monaten. Für 16 Monate davon wurde eine Probezeit von vier Jahren festgelegt.
 

Geld arglistig ertrogen

Gegen das erstinstanzliche Urteil erhob die Frau Einsprache. Als das Kantonsgericht die Berufung im Jahre 2015 abwies und den Entscheid des Kreisgerichts bestätigte, gelangte sie an die nächst höhere Instanz. Tatsächlich hiess das Bundesgericht die Beschwerde der Beschuldigten teilweise gut und hob den Entscheid des Kantonsgerichts auf.

Das Rückweisungsverfahren drehte sich aber nicht um den Schuldspruch und die Höhe der Strafe, sondern um die Frage der Einziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte und die Festlegung einer Ersatzforderung.

Mit seinem Entscheid habe das Bundesgericht den Schuldspruch des Betrugs und die Höhe der teilbedingten Freiheitsstrafe nicht angetastet, hatte der Staatsanwalt vor dem Kantonsgericht erklärt. Damit sei zweifelsfrei geklärt, dass die Beschuldigte das Geld arglistig ertrogen habe.

Eine strafbare Handlung dürfe sich nicht lohnen. Aus diesem Grunde sei das Vermögen der Frau einzuziehen und eine Ersatzforderung auszusprechen. Ohne diese Massnahmen sei die Gefahr gross, dass die geprellten Herren ihr Geld nicht mehr zurückerhalten würden.
 

Bankguthaben beschlagnahmt

Die Verteidigerin bedauerte, dass das Bundesgericht die Beschwerde der Beschuldigten nur teilweise geschützt habe. Ihre Mandantin habe einen Freispruch vom Vorwurf des Betrugs erreichen wollen. Es sei nämlich keineswegs bewiesen, dass das Geld auf ihrem Konto tatsächlich von den beiden Privatklägern stamme.

An der Berufungsverhandlung von Ende 2015 hatte die Frau vor dem Kantonsgericht erklärt, sie habe das Geld nicht von den beiden älteren Herren, sondern von ihrem 80-jährigen Ehemann erhalten. Bei den Vorwürfen der Männer handle es sich wohl um Rache, weil sie ihre Avancen abgelehnt habe.

Nun hat das Kantonsgericht St.Gallen seinen Entscheid veröffentlicht. Es verurteilt die Rentnerin dazu, dem Staat eine Ersatzforderung von 269'800 Franken zu bezahlen. Die am 28. Juni 2012 und 13. Dezember 2012 beschlagnahmten Bankguthaben werden zur Deckung der Ersatzforderung und der Verfahrenskosten verwendet. Ein allfälliger Restbetrag wird der Beschuldigten ausgehändigt. (sda)

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