Liechtenstein ermittelt in der Affäre Pierin Vincenz

WIRTSCHAFT ⋅ Seit 45 Tagen sitzt der ehemalige Raiffeisen-Chef, Pierin Vincenz, in Untersuchungshaft. Nun sollen die Ermittler eine neue Spur haben, die nach Liechtenstein führt. Die Staatsanwaltschaft Liechtenstein bestätigt gegenüber dem «Liechtensteiner Vaterland», dass um Rechtshilfe ersucht wurde.
Aktualisiert: 
12.04.2018, 21:00
12. April 2018, 10:51
Dorothea Alber, Vaduz
Vor rund anderthalb Monaten wurde Pierin Vincenz festgenommen. Der Verdacht: Vincenz soll privat abkassiert haben, als Raiffeisen unter seiner Regie die Beteiligungsgesellschaft Investnet übernahm und als die Kreditkartenfirma Aduno, deren grösste Aktionärin Raiffeisen ist, die Wiler Softwarefirma Commtrain Card Solutions erwarb. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Nun führt eine Spur nach Liechtenstein: Der wie Vincenz in Untersuchungshaft sitzende  ehemalige Aduno-Chef Beat Stocker war im Verwaltungsrat und Zeichnungsberechtigter der Aktiengesellschaft I.C.H. Invest & Consulting Holding mit Sitz in Mauren. 

Anfang 2015 soll die I.C.H. von einem Konto der Fürstenbank LGT in Vaduz eine tiefe Millionensumme auf ein Konto bei der Bank Julius Bär gezahlt haben, das auf Pierin Vincenz lautete. Darüber berichtet der Finanzblog «Inside Paradeplatz». Robert Wallner von der Liechtensteiner Staatsanwaltschaft bestätigt, dass Liechtenstein in den Fokus der Ermittlungen gerückt ist: «Die Staatsanwaltschaft Zürich hat um Rechtshilfe ersucht. Das Verfahren ist beim Landgericht in Vaduz anhängig.» Über die mutmasslichen Zahlungen selbst will Wallner aber nichts sagen. 
 

 

Ungereimtheiten zu Zahlungen

Die Ermittler werden nun der Frage nachgehen, warum Beat Stocker an einer Aktiengesellschaft in Liechtenstein beteiligt war und ob tatsächlich Gelder zu Vincenz geflossen sind. Ob die mutmassliche Zahlung in einem Zusammenhang steht mit den Vorwürfen gegen Vincenz, ist noch nicht klar. Fest steht aber: Stocker war laut Handelsregisterauszug bis Anfang 2013 Verwaltungsrat der Liechtensteiner Gesellschaft I.C.H. und wurde dann von der Treuhänderin Olga Bühler von der Firma Intromex Treuunternehmen abgelöst. Offiziell taucht Stocker später nicht mehr auf. Der frühere Raiffeisen-Chef Vincenz soll Stocker jahrelang mit Beratungsaufträgen versorgt haben. Angeblich flossen Millionen Franken.

Gegründet wurde die I.C.H.  in Mauren mit dem Zweck, Managementdienstleistungen zu erbringen und Beteiligungen zu halten. Die Gesellschaft wurde im Mai 2015 gelöscht. Sie wurde aber bereits mit Beschluss der Generalversammlung vom November 2014 aufgelöst und befand sich in Liquidation. Demnach sehen es Liechtensteiner Brancheninsider als fragwürdig an, ob eine grössere Zahlung aus Liechtenstein tatsächlich Anfang des Jahres 2015 erfolgt sein kann. Die LGT konnte sich bisher auf Anfrage dazu nicht äussern.

Mit den neuen Erkenntnissen stehen nun auch Ermittlungen in Liechtenstein an. Zwischen dem Banker Vincenz und dem Marketingmanager und Berater Stocker soll sich über Jahre eine Freund- und Komplizenschaft entwickelt haben. So soll Vincenz die treibende Kraft hinter Stockers Ernennung zum Chef der Aduno gewesen sein, die 2007 Commtrain übernahm. Zwei Jahre später wurde diese mit Aduno, die zu gut einem Viertel von Raiffeisen kontrolliert wird, fusioniert. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht, dass sich Vincenz 2007, damals Verwaltungsratspräsident von Aduno, im Vorfeld der Transaktion privat an Commtrain beteiligt und dann ebenfalls Kasse gemacht hat.

 


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