Fahrende sind wieder da

GASTRECHT IN GOSSAU ⋅ Auf dem Privatgrundstück eines Gossauer Landwirts hat sich eine Gruppe von Fahrenden niedergelassen. Ein offizieller Durchgangsplatz war im Juni 2016 abgelehnt worden.
21. August 2017, 21:52
Laura Widmer
Bei der Anfahrt nach Degenau-Höfrig ist das Lager von weitem auszumachen. Rund zwanzig Wohnwagen mit französischen Nummernschildern sind auf dem Stück Land in der Nähe eines Waldes parkiert. Mobile Duschen stehen hinter den Wohnwagen. Nur wenige Menschen sind zu sehen. Die Fahrenden haben sich in Gossau auf dem Privatgrund eines Bauern niedergelassen.

«Unsere Gruppe ist zum ersten Mal in der Ostschweiz», sagt ein Mann auf Deutsch. Man habe einen Vertrag mit dem Landbesitzer unterschrieben und wolle für rund 30 Tage bleiben. Vom gepachteten Land hat auch die Polizei Kenntnis. «Wir wissen von den Fahrenden», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, auf Anfrage. «Sie haben das Recht so lange zu bleiben, wie der Landbesitzer dies bewilligt.»

Fragen wollen die Fahrenden nicht beantworten. Man habe schlechte Erfahrungen mit den Medien gemacht. Schon jetzt hätten sie Mühe, einen Platz auf Zeit zu finden. Viele Landbesitzer seien vorsichtig. Zum Glück gebe es aber noch gute Menschen. Auch der Landbesitzer wollte gegenüber der Presse keine näheren Angaben machen.

Durchgangsplatz in Gossau wurde abgelehnt

Nicht zum ersten Mal sorgen Fahrende in Gossau für Aufsehen. Im Juni 2016 hatten die Stimmberechtigten der Stadt mit 57 Prozent Nein-Stimmen eine Umzonung abgelehnt. Diese hätte einen Durchgangsplatz für Fahrende im Industriegebiet ermöglicht. Ein Durchgangsplatz ist ein Standort für den kurzfristigen Aufenthalt während der Reisezeit der Fahrenden. Cornelia Sutter vom kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation bestätigte damals, dass Plätze in allen Regionen des Kantons gesucht würden. Bislang ohne Erfolg.

Durchgangsplätze sind im ganzen Kanton rar. Seit dem Jahr 2006 ist der Kanton St.Gallen vom Bund beauftragt, sechs Durchgangsplätze für Fahrende bereitzustellen. Die bestehenden Plätze deckten den Bedarf jedoch nicht ab, wie der Kanton in seinem Konzept aus dem Jahr 2006 schrieb. Gebe es nicht genügend Durchgangsplätze könnten Fahrende gezwungen sein, auf ungenügende Standorte auszuweichen. Konflikte mit den Behörden oder der Bevölkerung seien möglich, heisst es weiter. Geschehen ist dies im vergangenen Juli, als Schweizer Fahrende ihre Wohnwagen beim Golfplatz Waldkirch abstellten. Bereits am ersten Tag wurden sie von der Gemeinde weggewiesen, weil sich Anwohner gestört fühlten. Auch diese Gruppe hatte einen Vertrag mit dem Landbesitzer abgeschlossen. Die Gemeinde machte daraufhin einen Rückzieher. Das Misstrauen gegenüber den Fahrenden scheint weiterhin zu bestehen, wie E-Mails an die Redaktion zeigen. Von der Stadt Gossau war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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