Kältepol Ostschweiz: Vielerorts noch kälter als gestern

MINUSTEMPERATUREN ⋅ Die Ostschweiz wird zum Gefrierfach: An vielen Orten ist es am Mittwochmorgen noch kälter als gestern. Kälte und Schnee haben auch auf Ostschweizer Strassen zu extremen Bedingungen geführt.
Aktualisiert: 
14.02.2018, 07:00
13. Februar 2018, 20:39
Joel Mähne/Alexandra Pavlovic
Es ist so kalt in der Ostschweiz wie noch nie diesen Winter. Kälter sogar als im berühmtesten Eisfach der Schweiz, der Ortschaft La Brévine im Jura. Am Mittwoch war es an vielen Orten noch kälter als am Dienstagmorgen.
Im  Gräppelental oberhalb von Wildhaus (siehe Karte) wurden am Dienstag Temperaturen von fast minus 31 Grad Celsius gemessen. Am Mittwoch zeigte das Thermometer bereits um fünf Uhr in der Früh minus 30 Grad.



Die Daten stammen von der privaten Website "kaltluftseen.ch". Sie misst laufend Temperaturdaten und bezeichnet die Alp als "wohl kältesten Ort der Nordostschweiz".

Das Gräppelental auf rund 1330 Metern entstand durch einen Seitenarm des Rheingletschers in der letzten Eiszeit. Seine Endmoräne lagerte sich im Gebiet Hintergräppelen ab und bildete so die abgeschlossene Senke mit einer Tiefe von bis zu 44 Metern. Weil kalte Luft absinkt, sammelt sich am Abend abkühlende Luft wie Wasser in einem See in der Senke und kann auch nicht mehr abfliessen. Es entsteht eine Ansammlung von extrem kalter Luft.
 

Kaltfront kühlte die Strasse innert Kürze ab

Die Wetterlage vom Montagabend sorgte nicht nur für aussergewöhnliche Temperaturen, sondern auch für extreme Bedingungen auf den Ostschweizer Strassen. Etwa zeitgleich mit Beginn des Feierabendverkehrs setzte starker Schneefall mit einer Kaltfront ein, welche die Fahrbahntemperatur innert kurzer Zeit exponentiell fallen liess. Eine Entwicklung, die laut Ljubo Besevic, Leiter Betrieb und Support beim Nationalstrassen-Gebiet VI, welches die Autobahnen zwischen Landquart, Uznach, Dreieck Winterthur Ost und Kreuzlingen betreut, so nicht vorhersehbar war: "Auch für die Meteorologen kam diese Menge an Schnee in Kombination mit der Kaltfront überraschend." Weil zeitgleich der Berufsverkehr einsetzte, war ein Durchkommen der Räumfahrzeuge auf den Autobahnen kaum mehr möglich: "Es war einfach zu viel Verkehr, um unsere Winterdiensteinsätze wie gewohnt durchführen zu können." Dasselbe galt auch für die Stadt St.Gallen.

Doch auch mit dem Abflauen des Verkehrs am späten Abend hatte sich die Situation noch nicht entspannt: "Wir haben während der gesamten Nacht rund 150 Einsätze gefahren, das sind deutlich mehr als in einer gewohnten Winterdienstnacht", sagt Besevic. Mit der Hilfe der Sonne entspannte sich die Lage am Dienstagmorgen wieder. Sie wärmte die Strassenoberfläche auf, nachdem laut Besevic die Fahrbahntemperatur in der Nacht auf stellenweise minus sieben Grad Celsius gesunken war. "Bei so einer kalten Fahrbahnoberfläche kommen die Taumittel irgendwann an ihre Grenzen."

Der Berufsverkehr am Dienstagmorgen konnte dann auch grösstenteils wieder störungsfrei fliessen. Auf den Autobahnen kam es allerdings zu stockendem Verkehr, weil Räumfahrzeuge die Fahrtgeschwindigkeit beeinflussten. Gemäss Besevic müssen auf der Autobahn zwei Räumfahrzeuge parallel fahren, um die ganze Fahrbahnbreite gleichzeitig zu räumen. "Wir lassen zwischen den Fahrzeugen einen geringen Abstand, da sich zwischen den Einsatzfahrzeugen eine Schneewulst bilden kann. Wenn andere Fahrzeuge diesen überfahren, können sie mit ihrem Fahrzeug ins Schleudern geraten und mit den Räumfahrzeugen kollidieren." Laut Besevic war man sich der schwierigen Lage am Montagabend durchaus bewusst, ihm sei wichtig zu betonen, dass "unsere Mitarbeitenden in jeder Situation immer das Beste geben, um für schwarze Strassen zu sorgen".


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