Streit um neue Fachhochschule: Jetzt soll es ein Duo richten

ST.GALLER HOCHSCHULPOLITIK ⋅ Die Regierung müsse zwingend die Nachbarkantone mit ins Boot für die neue Fachhochschule holen. Das fordern die Fraktionen des Kantonsparlaments. Von einer Kantonalisierung halten sie nichts.
11. September 2017, 06:30
Regula Weik

Regula Weik

regula.weik

@tagblatt.ch

Thurgau, Schwyz und Appenzell Innerrhoden stellen sich quer. Die Pläne der St.Galler Regierung für die neue Organisation der Fachschule Ostschweiz – ein Dach, eine Trägerschaft, drei Schulstandorte – passen ihnen nicht. Sie fürchten, an Mitbestimmung zu verlieren und weitgehend zu Beitragszahlern degradiert zu werden. Umgekehrt hat der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker schon früh klar gemacht: St.Gallen will in der neuen Organisation den Lead übernehmen.

Nun äussern sich die Fraktionen des Kantonsparlaments zu den Vorbehalten der Nachbarkantone. Eine Kantonalisierung der Fachhochschule Ostschweiz kommt für sie nicht in Frage; es müsse auch künftig eine interkantonale Trägerschaft geben.

«Testfall für interkantonale Zusammenarbeit»

Am zurückhaltendsten äussert sich die SVP: Es müsse eine «konstruktive Zusammenarbeit» mit anderen Kantonen gefunden werden. Für CVP und Grünliberale ist eine interkantonale Trägerschaft «zwingend»; sie sei entscheidend für den langfristigen Erfolg der Fachhochschulen und der Ostschweiz. Die Freisinnigen reden gar von «einem Testfall für die weitere interkantonale Zusammenarbeit». Die Verhandlungen mit den möglichen Mitträgerkantonen – es sind dies die bisherigen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Glarus, Schwyz und Thurgau – müssten nun «zügig» an die Hand genommen werden. Die Freisinnigen machen auch gleich einen konkreten Vorschlag: Die St.Galler Regierung soll künftig eine Zweierdelegation an die Verhandlungen mit den Nachbarkantonen entsenden.

Einig sind sich die Fraktionen, dass noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Dies hätten die Diskussionen im Thurgau deutlich gezeigt (Ausgaben vom 30. und 31. August). Doch auch innerhalb des Kantons gibt es «Abspaltungstendenzen». Wiederholt wurden aus dem Linthgebiet Stimmen laut, die eine eigenständige Fachhochschule Rapperswil favorisieren. SP und Grüne halten davon rein gar nichts. «Wir wehren uns gegen regionalpolitisch motivierte Versuche, Rapperswil aus einer vereinigten Ostschweizer Fachhochschule herauszubrechen», hält die Fraktion fest. Die neue Fachhochschule Ostschweiz müsse eine gewisse Grösse haben, um in der Schweizer Fachhochschullandschaft überhaupt wahrgenommen zu werden.

So sind sich die vier Fraktionen einig: Die von der Regierung vorgeschlagene Organisation, die drei Schulen in Buchs, Rapperswil und St.Gallen unter ein Dach zu stellen, sei grundsätzlich richtig. Sie schliessen sich aber auch der Forderung der vorberatenden Kommission an, dass die Organisation zwischen den Teilschulen und dem Dach noch genauer geprüft und definiert werden muss. Antworten darauf wie auch zum Stand der Verhandlungen über die Trägerschaft soll die Regierung dem Parlament bis Frühsommer 2018 vorlegen.

Parlament will Hochschulräte absegnen

Eine andere Forderung der vorberatenden Kommission dürfte nächste Woche in der Septembersession des Kantonsparlaments einiges zu reden geben. Sie verlangt, die St.Gallische Vertretung im Rat der neuen Fachhochschule Ostschweiz müsse dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt werden. «Notwendig», sagen SP und Grüne. So beurteilt es auch die SVP. Anders CVP und Grünliberale; sie sind «mehrheitlich» dagegen. Die Regierung hält ebenfalls dagegen: Eine «Verpolitisierung» erschwere die Suche geeigneter Personen. Der künftige Hochschulrat soll nach fachlichen Kriterien zusammengesetzt sein, auch in Abstimmung mit den Trägerkantonen.


Leserkommentare

Anzeige: