Thurgau macht Druck auf säumige Dieselfahrer

SCHUMMELSOFTWARE ⋅ Die Thurgauer Behörden haben 236 Autofahrer aufgefordert, ein Software-Update wegen des Dieselskandals in die Wege zu leiten. Im Kanton St. Gallen haben sich die Lenker folgsamer gezeigt.
17. April 2018, 09:35
Thomas Wunderlin

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Bei fünf Thurgauer Autofahrern kam die Polizei vorbei. Hätten sie sich immer noch geweigert, ein Software-Update vornehmen zu lassen, wäre ihr Fahrzeug amtlich stillgelegt worden. Doch so weit ist es bisher nicht gekommen, sagt Ernst Anderwert, Geschäftsführer des Strassenverkehrsamts des Kantons Thurgau.

Als der Skandal um die ­Abgasmanipulation des VW-Konzerns 2015 platzte, musste der Schweizer VW-Importeur Amag dem Bundesamt für Strassen ­(Astra) melden, welche Fahrzeuge betroffen sind. Das Astra wartete ab, bis VW dem deutschen Kraftfahrt-Bundesamt glaubwürdig nachweisen konnte, wie das Problem gelöst werden kann. ­Daraufhin erstellte es eine Liste aller betroffenen Schweizer Fahrzeughalter und übergab sie der Amag. Diese forderte die Fahrzeughalter auf, sich für ein kostenloses Software-Update zu melden.

In den USA werden Besitzer von Dieselfahrzeugen mit Manipulationssoftware vom Autohersteller durchschnittlich mit 5000 Dollar entschädigt. Die Amag spendiert den Fahrzeughaltern nur ein Minisackmesser. Die 163800 Schweizer Fahrer mit einem Dieselmotor der Marken des Volkswagenkonzerns folgten dennoch fast alle anstandslos der Aufforderung.

Einige ignorierten jedoch die Aufforderung; 2200 waren es laut «Tages-Anzeiger». Die Amag musste diese Fahrzeuge dem Astra melden, welches sie an die kantonalen Strassenverkehrsämter weiterleitet. Diese setzen die säumigen Dieselfahrer jetzt unter Druck. Im Thurgau sind bisher 236 Fahrzeughalter betroffen. Laut dem Geschäftsführer des Strassenverkehrsamts fahren sie Autos der Marken VW, Porsche, Audi, Skoda und Seat.

Im ersten Schritt bekommt ein säumiger Dieselfahrer vom Strassenverkehrsamt eine eingeschriebene Aufforderung, das Update in einer Werksgarage vornehmen zu lassen. Darin wird ­erwähnt, dass er sonst das Nummernschild abgeben muss. «Die Garage muss uns bestätigen, dass das Update gemacht worden ist», sagt Anderwert, «dann ist der Fall für uns erledigt.»

Beim zweiten Einschreiben wird die Drohung deutlicher

Falls sich ein Autohalter immer noch weigert, erhält er nach etwa einem Monat ein zweites Einschreiben. Darin wird ihm laut Anderwert «etwas deutlicher» erklärt, dass ihm ein Nummernschildentzug droht. Er erhält eine Frist von drei Wochen zur Erledigung. Sie wird verlängert, wenn Feiertage wie Ostern dazwischen liegen. «In Einzelfällen habe ich auch schon angerufen und den Sachverhalt erklärt», sagt Anderwert. Geholfen hat es nicht ­immer. Zwei Gründe nennen die Update-Verweigerer für ihr Verhalten. Zum einen befürchten sie eine Leistungseinbusse. Das sei nicht stichhaltig, sagt Anderwert, wobei er sich auf die Amag beruft. Der zweite Grund: Die Stiftung für Konsumentenschutz bereitet eine Sammelklage gegen VW und Amag vor und ruft die Autohalter auf, mit dem Update zuzuwarten.

Dafür hat der Geschäftsführer des Thurgauer Strassenverkehrsamts kein Verständnis: «Das Update ist eine vom Gesetz klar geforderte Umweltschutzmassnahme, die den gesundheitsgefährdenden Schadstoffausstoss reduziert.» Wenn das einem Autofahrer immer noch nicht einleuchtet, dann beauftragt das Thurgauer Strassenverkehrsamt die Kantonspolizei ­damit, seine Nummernschilder einzuziehen. Wobei die Polizisten auf den Entzug verzichten, wenn ihnen der Autohalter glaubwürdig versichert, dass er das Update nachholen werde. So ist es in den erwähnten Fällen gelaufen; die Polizei habe es gut gemacht, findet Anderwert. «Alle fünf Kunden haben das Update inzwischen vorgenommen.»
 

Was geht in den anderen Kantonen?

Das im Kanton Thurgau angewendete Verfahren ist auf Bundesebene geregelt und in allen Kantonen gleich. Auch das St.Galler Strassenverkehrsamt (StVA) forderte 146 Lenker ­betroffener Fahrzeuge auf, ein Software-Update durchzuführen. Alle Fahrzeughalter führten dies aus. Ansonsten wäre es nach der insgesamt sechsten Aufforderung zu einem Nummernschildentzug gekommen, teilte das StVA St.Gallen mit. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wurden neun Personen angeschrieben. Diese haben 30 Tage Zeit, das Update nachzuholen. Im Kanton Appenzell Innerrhoden mussten 30 Fahrzeughalter ihr Auto bei einer zuständigen Garage zur Revision vorbeibringen. (stw)


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