Ein Thurgauer ist finnischer Generalkonsul für die Schweiz

FINNLAND ⋅ Heute feiert Finnland hundert Jahre Unabhängigkeit. Das halbe Land sitzt vor dem TV und verfolgt den Präsidentenempfang. In Festlaune ist auch der Thurgauer Felice Romano als finnischer Generalkonsul.
06. Dezember 2017, 05:22
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

In finnischen Saunas ist es heiss, 90 Grad und mehr zeigt das Thermometer an. «Da braucht es ‹sisu›», meint Felice Romano. Der Begriff «sisu» gilt als unübersetzbar, entspricht «Beharrlichkeit», «Ausdauer» oder «Kraft». Als Finne hat man «sisu», das kulturelle Konzept des Begriffs ist identitätsstiftend für das nordeuropäische Land.

Heute feiert Finnland hundert Jahre Unabhängigkeit, auch ein Indiz für das Vorhandensein von «sisu». Romano dagegen kennt dieses Wort erst seit 1975. Aus den Geschäftsbeziehungen des Architekten aus Weiningen entstanden familiäre Banden. Der gebürtige Tessiner ist mit einer finnischen Innenarchitektin verheiratet. «Finnland ist heute zweite Heimat für mich.» Die Verbundenheit führte zu Ehrenämtern. Seit zwölf Jahren amtet er als finnischer Generalkonsul für die Schweiz. Und seit gut 20 Jahren präsidiert er die Handelskammer Finnland-Schweiz. Mehrmals im Jahr fliegt die Familie Romano nach Finnland, in Oitti, keine hundert Kilometer nördlich von Helsinki ist es für Felice Romano, Ehefrau Seijaleena und die drei erwachsenen Kinder ein Heimkommen. In derselben Gegend lebt auch Felice Romanos finnische Verwandtschaft.

Am stabilsten, freiesten, gerechtesten, gebildetsten

«Finnland ist nicht Skandinavien», sagt Romano. Skandinavien umfasse Dänemark, Schweden und Norwegen. Finnland dagegen sei Teil Nordeuropas. Analog dazu die Scandinavian Airlines (SAS) der drei besagten Länder und daneben die Finnair. Finnland schlage sich sozialpolitisch und wirtschaftlich sehr gut, sagt Romano. «Es ist angenehm, ein solches Land repräsentieren zu dürfen.» Laut Ratings internationaler Organisationen schwinge Finnland in fünf Punkten obenauf oder sei weit vorne: Es sei das stabilste, freieste, gerechteste und gebildetste Land. Zudem liege man in Sachen Pressefreiheit und Transparenz weltweit jeweils auf dem dritten Rang, weiss Romano.

Die Finnen seien im ersten Moment zurückhaltend, fast schon reserviert. «Man drängt sich nicht auf.» Aber wenn man mit Finnen ins Gespräch komme, könnten daraus durchaus tiefe Freundschaften entstehen, sagt Romano. Ähnlich verhält es sich mit dem finnischen Nationalfeiertag am 6. Dezember. Es ist weniger ein folkloristischer Tag mit Würsten vom Grill und Lampions, eher ein besinnliches Feiern, das man daheim im Kreis von Familie und Freunden begeht. Heuer sind die Festlichkeiten etwas umfangreicher. Bereits gestern Abend ist Helsinki blau-weiss beleuchtet. Und der heutige Unabhängigkeitstag wird um 22 Uhr mit einem grossen Feuerwerk im Südhafen der Hauptstadt abgeschlossen.

Der alljährliche Höhepunkt ist aber der Empfang von Staatspräsident Sauli Niinistö im Präsidentenpalast. Vergangenes Jahr sassen über 2,6 Millionen Finnen vor dem Fernseher und verfolgten die mehrstündige Live-Übertragung. Der Präsident schüttelt dabei jedem der 1800 Gäste die Hand. Derweil lassen sich die Fernsehkommentatoren über das Styling und die neuesten Skandälchen der geladenen Gäste aus.

In der Schweiz wird auch gefeiert. Die von Romano geführte Handelskammer, die finnische Handelsgilde Zürich und die Schweizerische Vereinigung der Freunde Finnlands laden heute zum Mittagessen in ein Zürcher Zunfthaus. Morgen führt der ­finnische Botschafter in der Schweiz, Timo Rajakangas, einen Empfang in Bern durch. Auch Vertreter der offiziellen Schweiz werden anwesend sein.

Samichlaus muss «joulupukki» Platz machen

Wenn am 6. Dezember Nationalfeiertag ist, wann feiern die Finnen dann den Samichlaus? «Es existiert die Tradition des Weihnachtsmanns. Der kommt aber erst an Heiligabend.» Er selber habe den «joulupukki» zehn Jahre gespielt, bis seine Kinder unter dem Jahr das grosse Buch des Weihnachtsmanns im Keller gefunden hätten.

Im «Magazin» des «Tages-Anzeigers» war einmal zu lesen, dass in Finnland der Dirigent Esa-Pekka Salonen und der Formel-1-Fahrer Kimi Räikkönen zu den grössten Persönlichkeiten zählen. Felice Romano schmunzelt und sagt: «Das ist so.» Er selber sei aber von der Natur des Landes noch mehr angetan.


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