Im Video: Der Ruckhaldetunnel wächst zusammen

ST.GALLEN ⋅ Nach gut einem Jahr Bauzeit wird im Ruckhaldetunnel der Durchstich gefeiert. Damit naht auch der Abschied für die Mineure. Nicht überall werde man so freundlich aufgenommen wie in St.Gallen, sagt ein Polier.
20. Juli 2017, 13:27
Adrian Vögele
Es ist geschafft: Seit heute um kurz nach halb 11 Uhr sind die beiden Hälften des Ruckhaldetunnels in St. Gallen verbunden. Mit Getöse brach ein Bagger von der Südseite her durch die Tunnelbrust und schlug ein mannshohes Loch in die Wand. Bejubelt vom Festpublikum trugen die Mineure eine Statue der heiligen Barbara durch die Öffnung, Fahnen des Kantons St. Gallen und beider Appenzell wurden geschwenkt. Auch Anja Preisig, Lokführerin und Tunnelpatin, feierte mit. 
Mit dem Durchstich im 700 Meter langen Tunnel haben die Appenzeller Bahnen (AB) einen wichtige Etappe abgeschlossen: Der Tunnel wird das bauliche Herzstück der Durchmesserlinie. Das 90-Millionen-Projekt soll den Viertelstundentakt und den Einsatz neuer Züge ermöglichen. Der Tunnel kostet 63 Millionen Franken, die Eröffnung ist im Herbst 2018 geplant. Der Durchstich gelang zeitlich genau nach Plan. Im Frühling hatte der Eintritt von Wasser die Arbeiten erschwert, zuletzt aber ging es wieder zügig voran. Ein Tunnelbau sei immer mit Überraschungen verbunden, sagte AB-Verwaltungsratspräsident Fredy Brunner vor dem Festpublikum. Umso erfreulicher sei es, dass das Projekt auf Kurs sei – geologisch, zeitlich und finanziell.



Der Bau des Tunnels begann Mitte Juli 2016. Rund 30 Arbeiter waren täglich am Werk, in zwei Schichten. Pro Tag trieben sie den Tunnel 173 Zentimeter voran. Nach dem Durchstich war den Mineuren die Freude und Rührung anzusehen; manch einer hatte feuchte Augen.  Die Spezialisten stammen aus halb Europa, viele kommen aus Italien und Österreich. Zu letzteren gehört Heinz Rautenberg, einer der Poliere auf der Südseite des Tunnels. Seit 35 Jahren ist er in der Branche tätig – die Ruckhalde sei ungefähr sein fünfundzwanzigster Tunnel. Was bleibt ihm von dieser Baustelle besonders in Erinnerung? «Wir wurden hier in St. Gallen sehr freundlich aufgenommen. Das ist nicht überall so.» Auch hätten die Anwohner viel Verständnis gezeigt, gerade auf der Südseite. Technisch sei die Ruckhalde unter anderem deshalb anspruchsvoll, weil der Abstand zwischen Tunneldecke und Oberfläche teilweise gering sei. Auch Bauleiter Thomas Looser bezeichnet die engen Platzverhältnisse als besondere Herausforderung. Mit grossen Tunnelprojekten im Gebirge, wie dem Gotthard-Basistunnel, lasse sich die Ruckhalde nicht vergleichen. «Das sind zwei komplett unterschiedliche Vorhaben.»

Nach anderthalb Jahren Bauzeit erfolgte am Donnerstag der Durchstich im 700 Meter langen Ruckhaldetunnel. (Bilder: Michel Canonica)


Wer Tunnels baut, muss oft den Arbeitsort wechseln. Fredy Brunner hatte in seiner Festrede angetönt, dass auf der Baustelle bald Abschiede bevorstehen – die Spezialisten ziehen weiter. «Das gehört zu unserem Beruf», sagt Heinz Rautenberg. «Jeder, der in die Branche einsteigt, weiss das.» Die Tunnelbauer in Europa seien jedoch wie eine grosse Familie. «Das sind etwa 5000 bis 6000 Leute. Man trifft auf den Baustellen oft Bekannte, mit denen man bereits früher zusammengearbeitet hat.» In der Ruckhalde stehen nun der Ausbau und die Verkleidung der Tunnelröhre an. Das wichtigste Ziel dabei:  «Keine Unfälle», wie Bauleiter Thomas Looser sagt. «Bisher ist uns das zum Glück gelungen.»

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