Brandstifter soll zehn Jahre in Haft

PROZESS IN SARGANS ⋅ Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den mutmasslichen Brandstifter erhoben, der in Sargans sieben Feuer gelegt haben soll. Sie fordert zehn Jahre Freiheitsstrafe und einen ebenso langen Landesverweis.
11. September 2017, 20:57
Reinhold Meier
Die Brandserie zwischen Juli und November letzten Jahres hatte Bevölkerung und Einsatzkräfte über Monate in Atem gehalten. Siebenmal brannte es, meist in der Nacht, siebenmal rückte die Feuerwehr aus, oft mit einem Grossaufgebot. Der Sachschaden ging in die Zehntausende, in zwei Fällen war er sechsstellig und erreichte insgesamt rund eine halbe Million Franken.

Menschen kamen nicht direkt zu Schaden, jedoch verbreitete die unheimliche Serie im Quartier rund um die Rheinstrasse, nördlich des Bahnhofs, Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Die Öffentlichkeit reagierte denn auch erleichtert, als die Polizei schliesslich einen dringend Tatverdächtigen festnehmen konnte. Sie verhaftete ihn wenige Minuten nach dem Ausbruch des letzten Feuers. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Immer wieder am selben Ort

Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 37-jährigen Deutschen erhoben, dem sie die sieben Fälle der Brandstiftung zur Last legt, wie der «Sarganserländer» recherchiert hat. Bereits nach dem sechsten Brand war der Mann zwar vorübergehend festgenommen und über zehn Stunden erkennungsdienstlich behandelt worden. Er musste danach aber wieder freigelassen werden, weil sich der Verdacht offenbar nicht erhärten liess. Dies, obschon auch eine Hausdurchsuchung angeordnet und durchgeführt worden war.
 

Der von Boulevardmedien als «Feuerteufel» apostrophierte Mann war sogar schon früher ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Denn auffallend schien, dass fünf der sieben Brände in derselben Liegenschaft ausbrachen, und zwar just in jener, in welcher der Beschuldigte seine Werkstatt führte. Doch auch eine dreimonatige technische Überwachung des Verdächtigen im Spätsommer 2016 verlief offenbar ohne stichhaltige Beweise.

Die Anklage fordert nun mit zehn Jahren Haft eine strenge Strafe. Sie geht im schriftlichen Antrag aber nicht auf die Gründe für diese Strafzumessung ein. In der Verhandlung an den Schranken dürften daher die Motive und Umstände der Taten eine grosse Rolle spielen. Denn bei der konkreten Zumessung der Strafhöhe ist vor allem die subjektive Schwere der Schuld zu berücksichtigen. Dabei sind die Motive und die Gesinnung eines Täters, die Art und Weise der Begehung einer Tat und ihre Folgen, sowie sein Vorleben, das Nachtatverhalten und seine Strafempfindlichkeit genau abzuwägen und zu berücksichtigen. Die Anklageschrift lässt diese Fragen vorderhand offen. Genauso wie die in der Bevölkerung oft gehörte Frage, ob allenfalls eine Pyromanie, also ein krankhafter Drang, Brände zu legen, Triebfeder für die Taten gewesen sein könnte.

Versicherungsbetrug geplant?

Nur einen Hinweis zur Motivlage gibt die Anklageschrift, indem sie dem Beschuldigten einen zweiten Straftatbestand zur Last legt. Danach wird er nicht nur wegen siebenfacher Brandstiftung, sondern in einem Fall auch wegen versuchten Versicherungsbetrugs angeklagt. Er habe versucht, mit den ersten beiden Feuern Versicherungsleistungen «einzustreichen». Nachdem die erste Brandlegung in seiner Werkstatt eher kläglich ausging und die Feuerwehr einen grösseren Sachschaden verhindern konnte, habe er bereits zwölf Stunden später am gleichen Ort erneut Feuer gelegt.

Diesmal mit «Erfolg», denn nun fackelte nicht nur das Gebäude ab, sondern auch mehrere Autos. Erst 50 Einsatzkräften mit neun Löschfahrzeugen gelang es, die Brunst zu löschen. Der Sachschaden belief sich auf fast 300'000 Franken. Drei Tage nach diesem Brand habe der Angeklagte dann Schadensanzeige bei seiner Geschäftsversicherung erstattet, dabei aber seine Täterschaft verschwiegen, sie mithin «arglistig getäuscht». Eine Schadenszahlung der Versicherung über die geforderten 166'000 Franken unterblieb jedoch bis heute.

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