Ausserrhoder Teletext-Gegner Zuberbühler: "Ich wollte niemanden beleidigen"

"INTERNET FÜR ARME" ⋅ Der Ausserrhoder SVP-Nationalrat David Zuberbühler hat den Teletext als "Internet für Arme" und "alten Zopf" bezeichnet. Er habe damit eine Diskussion um die Verwendung von Gebührengeldern anstossen wollen, sagt er.
15. November 2017, 08:04
Daniel Walt
Keine Smartphones, keine Liveticker, keine Pushmeldungen: Das Leben als News-Junkie war früher nicht leicht. Wer über das aktuelle Weltgeschehen informiert sein wollte, musste permanent Radio hören. Oder nach dem Heimkommen sofort den Teletext einschalten. In Buchstaben in allen möglichen Farben steht dort auf den SRF-Kanälen bis heute, was die Schweiz und die Welt bewegt – am Dienstag beispielsweise, dass Details zum Tod des französischen Skirennfahrers David Poisson bekannt geworden sind. Oder dass die Reichen immer reicher werden.

Für den Ausserrhoder SVP-Nationalrat David Zuberbühler ist der Teletext ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Als "Internet für Arme" und "alten Zopf" betitelte er dieses Informationsangebot am Dienstag im "Blick". Ein Affront für Zehntausende Menschen, die auch in der modernen Zeit noch täglich Teletext lesen? Er habe niemanden beleidigen wollen, betont der Herisauer auf Anfrage. Möglicherweise sei das Augenzwinkern, mit dem er seine Aussage getätigt habe, nicht verstanden worden. Er verstehe den Teletext als billige Variante des Internets, fügt er an.
 

Ein paar böse Mails

An seiner Meinung, dass der Teletext veraltet ist, hält David Zuberbühler fest, auch wenn er einige böse Mails deswegen erhalten hat. Klar habe er in der letzten Zeit irgendwann mal Teletext gelesen – vermutlich, um sich über Abstimmungsergebnisse zu informieren. Zu diesen Informationen hätte er aber auf diversen anderen Wegen auch kommen können, betont er. Und sagt, vor dem Aufschwung des Internets habe er viel mehr in den Teletext geschaut als heute.
David Zuberbühler. Zoom

David Zuberbühler.

1983 wurde der Teletext in der Schweiz eingeführt. "In meinem Umfeld kenne ich niemanden, der ihn noch stark nutzt. Einige Leute wussten nicht einmal, dass es dieses Angebot überhaupt noch gibt", führt David Zuberbühler aus. Und was ist mit all den Menschen, insbesondere auch Senioren, die weder ein Smartphone noch Internet-Zugang haben? Wie begründet er ihnen gegenüber seine Forderung, den Teletext-Betreibern den Stecker zu ziehen? "Ich kann mir vorstellen, dass es ältere Menschen gibt, die mit der technischen Entwicklung nicht Schritt halten können", antwortet er. Die Zeit bleibe aber nicht stehen.
 

Was kostet der SRF-Teletext?

Mit seinen Aussagen habe er eine Diskussion über den Sinn und Zweck des Teletexts als Informationsinstrument anstossen wollen, sagt David Zuberbühler weiter. Er will dem Bundesrat in Kürze Fragen zu diesem Thema stellen. Der SVP-Mann aus Ausserrhoden will beispielsweise wissen, welche Kosten der mehrsprachig betriebene Teletextdienst auf den SRF-Kanälen verursacht und wie viele Leute für diesen arbeiten. "Im Rahmen der No-Billag-Initiative hat bis anhin keine Diskussion um den Teletext stattgefunden. Es ist legitim, eine solche anzureissen – insbesondere wenn es darum geht, dass allenfalls Gebührengelder gespart werden können", sagt Zuberbühler.
 

Hunderttausende lesen Teletext

Wie viele Menschen lesen noch Teletext-Nachrichten? Die Suche nach Antworten führt zu Patrizia Stähli, Mediensprecherin des Unternehmens Admeira, das den Teletext im TV im Auftrag der SRG vermarktet. Laut ihren Angaben nutzen täglich zwischen 520'000 und 700'000 Personen den Teletext. "Die Nutzung von Teletext am TV ist in den letzten Jahren rückläufig", sagt Stähli. Es finde eine Verlagerung in die digitalen Kanäle statt. Den Teletext gibt es nämlich auch im Internet beziehungsweise als App. Digital erreicht er derzeit 348'000 Personen pro Monat. Am beliebtesten sind laut Patrizia Stähli die Rubriken Sport und News.

Dass die Informationsquelle Teletext vorwiegend von älteren Menschen ohne Internetzugang genutzt wird, weist Patrizia Stähli zurück. Was den Teletext am Fernsehen angeht, sind laut ihren Angaben fast 63 Prozent der Nutzer zwischen 15 und 54 Jahre alt. 72 Prozent der Nutzer sind männlich. Den Teletext auf digitalen Kanälen nutzen zu drei Vierteln Interessierte zwischen 14 und 54 Jahren.

Zu den jährlichen Kosten, den der Teletext von SRF jährlich verursacht, äussert sich Patrizia Stähli nicht. Und was sagt sie zu den Aussagen David Zuberbühlers, wonach der Teletext ein alter Zopf sei, den man abschneiden könne? "Die Nutzerzahlen sind nach wie vor hoch, der Teletext ist einfach zu bedienen. Solange ein Kundenbedürfnis vorhanden ist, gibt es keinen Grund, den Teletext abzuschalten", erklärt sie.

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