Winter-Asyl in Gärtnerei

HEIDEN ⋅ Die Gärtnerei Dietz bietet ihren Kunden an, über den Winter Pflanzen einzulagern und zu pflegen. Der Erfolg einer Überwinterung hängt nicht nur vom Gärtner ab. Auch der Kunde muss seinen Teil dazu beitragen.
07. Dezember 2017, 05:20
Samira Hörler

Samira Hörler

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

Seit 20 Jahren kennt die Kundschaft der Gärtnerei Dietz ein im ersten Moment ungewöhnlich klingendes Angebot: Über die Wintermonate bis in den späten Frühling hinein können Besitzer von frost- und kälteempfindlichen Pflanzen diese in die Obhut der Gärtnerei geben. Dort werden sie umsorgt, aufgepäppelt und im Frühling wieder ausgeliefert. Die Idee dazu kam auf, weil sich betroffene Personen an die Familie Dietz und deren Betrieb wandten.

Das Bedürfnis, die eigenen Pflanzen überwintern zu können, besteht. «Jede Wintersaison nehmen wir von gut 90 Kunden Aufträge entgegen», erzählt Robert Dietz, der zusammen mit seiner Frau die Familiengärtnerei betreibt. Durchschnittlich sind es vier Pflanzen pro Kunde, also ungefähr 400 Pflanzen, die jedes Jahr in den Gewächshäusern untergebracht werden müssen. «Meistens holen wir sie im November zu uns und bringen sie Ende April, anfangs Mai wieder zurück», so Dietz. Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wie frostempfindlich die Gewächse sind.

Turbulenter April sorgte für Unmut

«Im Frühling dieses Jahres machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung», erzählt der Gärtner. Im April war es in der ersten Monatshälfte sehr warm, weshalb die Gärtnerei viele Pflanzen schon auslieferte. Pünktlich zu Ostern kam jedoch die Kehrtwende: Am Ostersonntag fiel im Norden des Landes bis auf 800 Meter Schnee. Dies führte dazu, dass bereits ausgelieferte Gewächse Frostschäden davontrugen. «Natürlich beschwerten sich einige Kunden. Wir suchten jedoch das Gespräch und so konnten die Konflikte gelöst werden», so Dietz. Wenn einzelne Pflanzen den Winter nicht überstehen, so werden diese durch die Gärtnerei ersetzt. Dies sei jedoch zum Glück nicht oft der Fall. Es käme auch auf den Zustand der Pflanzen bei der Abholung an, wie gut sie den Winter überstehen. «Wir können meist keine Wunder bewirken», lacht Dietz. Doch genau dieses Jahr gab es ein solches: Der Olivenbaum einer Kundin, welcher anfangs Mai zurückgebracht wurde, schwächelte. Die Gärtnerei nahm ihn zurück und ersetzte ihn durch einen Jüngeren. Der alte Baum schien verloren zu sein. Doch dank etwas Dünger und Pflege seitens Dietz erholte er sich. «Zur Freude der Kundin können wir ihren Olivenbaum nächstes Jahr wieder zurückgeben.»

Exotische Pflanzen ans Klima gewöhnen

Überwintert werden, um nur einige von ungefähr 60 bis 80 verschiedenen Arten zu nennen, unter anderem Zitrusbäume, Oliven, Lorbeer, Oleander und Bananen. Die grösste Herausforderung am Überwintern ist, dass viele der Gewächse anfällig für Schädlinge sind. Die Temperaturen in den Gewächshäusern müssen stimmen. Diese sind zwischen einem und 16 Grad warm. Zu viel Wasser trägt auch zur Schwächung der Pflanzen bei. «Um Schädlinge und deren Ausbreitung zu verhindern, schneiden wir bei Ankunft der Pflanzen sämtliche Blätter weg», erklärt Dietz. Auch könne man es im Winter nicht vermeiden, mit Spritzmitteln zu arbeiten. «Das geht leider etwas gegen den ökologischen Leitsatz unserer Gärtnerei.» Auch die im Sommer aktiven Nützlinge können in der kalten Jahreszeit nicht effektiv eingesetzt werden.

Ein Tipp von Robert Dietz an alle Hobbygärtner: «Pflanzen müssen in relativ kühlen Räumen gelagert werden. Man sollte sie also nicht in einen geheizten Keller stellen. Denn je wärmer es die Gewächse haben, desto mehr Licht brauchen sie.»


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