Sportsclinic droht zu scheitern

REHETOBEL ⋅ Das ehemalige Alters- und Bürgerheim «Ob dem Holz» soll 2018 erneut ausgeschrieben werden. Die Gemeinde will den bestehenden Baurechtsvertrag auslaufen lassen. Der Entscheid stösst auf Kritik.
30. September 2017, 05:19
Jesko Calderara

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jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch

 

Der Gemeinderat Rehetobel hat zum umstrittenen Bauprojekt für ein Therapie- und Rehabilitationszentrum auf dem Areal «Ob dem Holz» einen wegweisenden Entscheid gefällt. Dieser könnte insbesondere für die Initiantin der Sportsclinic, die Sportsmedicine Excellence AG (SME), einschneidende Folgen haben. Er lehnt eine Verlängerung der Frist zum Eintrag des Baurechtsvertrags im Grundbuch ab. Damit läuft dieser Ende Jahr wohl aus.

Rückblick: Im November 2015 genehmigten die Stimmberechtigen den Baurechtsvertrag zwischen der Gemeinde und der AF Immo AG, einer Tochtergesellschaft der SME. Allerdings muss dieser bis zum 31. Dezember im Grundbuch eingetragen sein. Voraussetzung dafür ist eine rechtsgültige Baubewilligung. Weil immer noch Einsprachen hängig sind, wird diese kaum mehr innerhalb der vereinbarten Frist eintreffen. Zurzeit ist das Baugesuch beim Kanton hängig.

Liegenschaft muss renoviert werden

Die Gemeindebehörden haben sich aus verschiedenen Gründen gegen eine Fristerstreckung ausgesprochen. «Dadurch erhalten wir wieder mehr Handlungsspielraum», sagt Gemeindepräsident Peter Bischoff. Die Liegenschaft «Ob dem Holz» sei renovationsbedürftig. Bis die Rekurse zum Sportsclinic-Baugesuch definitiv erledigt seien, könne es noch zwei bis drei Jahre dauern. Dieses Risiko will der Gemeinderat nicht eingehen. Zumal er offenbar gewisse Zweifel am Geschäftsmodell der SME hat. Aus Behördensicht sei fraglich, ob dieses angesichts der Entwicklungen in der Medizin wirklich funktioniere, gibt Bischoff zu bedenken. Abgesehen davon gebe es langfristig Unsicherheiten wegen des geplanten Operationsstandortes am Spital Heiden.

Frühestens im Januar 2018 soll das ehemalige Alters- und Bürgerheim erneut ausgeschrieben werden. Ob wiederum die Lösung Baurecht bevorzugt wird, ist offen. Diese habe für die Gemeinde auch Nachteile, sagt Bischoff. «Als Eigentümer bleiben wir für den Unterhalt des Gebäudes zuständig.» Das letzte Wort zur künftigen Nutzung des Areals «Ob dem Holz» haben auf jeden Fall die Stimmberechtigen. Eine Abstimmung könnte im Verlauf des Jahres 2018 erfolgen.

Bereits hat es erste Anfragen zur Immobilie gegeben. Es gebe allerdings keinen Plan B, sagt der Gemeindepräsident. Weil das Grundstück in der Landwirtschaftszone liegt, sind die ­Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Mögliche Standorte im Vorderland

Kein Verständnis für den Beschluss des Gemeinderates zeigen die Vertreter der Sportsmedicine Excellence AG. «Wir sind sehr enttäuscht, wie das Ganze gelaufen ist», sagt CEO Florian Kamelger. Über die Gründe, welche zur neusten Entwicklung geführt haben, will er nicht spekulieren. Kamelger hätte sich ­jedoch eine andere Vorgehensweise gewünscht. Die beiden Investoren haben der Gemeinde ­einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Demnach hätten die Stimmberechtigten als Erstes über eine sechsmonatige Fristverlängerung abstimmen können. Bis dahin werde der Kanton das hängige Baugesuch bearbeitet haben, sagt Kamelger. «Es hätte uns Zeit gegeben, um vor einem weiteren Urnengang die noch strittigen Punkte zu klären.» Nun könne das Stimmvolk seine Meinung nicht mehr äussern. Aus demokratischer Sicht sei dies bedauerlich. Laut Kamelger ist der Standort Rehetobel für die geplante Sportsclinic damit wohl vom Tisch. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass die Baubewilligung bis Ende Jahr vorliege.

Begraben will die SME ihre Pläne für ein Therapie- und Rehabilitationszentrum im Appenzeller Vorderland trotz des Rückschlags in Rehetobel nicht. ­Florian Kamelger schliesst zum heutigen Zeitpunkt aber aus, dass sich das Unternehmen bei der vorgesehenen Ausschreibung ­erneut um die Liegenschaft «Ob dem Holz» bewerben wird. «Zu den im jetzigen Baurechtsvertrag vereinbarten Konditionen ist dies für uns kaum denkbar.» Nach dem willkürlichen Vorgehen der Gemeinde seien zudem die Voraussetzungen für eine Vertrauensbasis nicht mehr gegeben.

Mögliche Standorte gibt es dagegen in den Nachbargemeinden. Ihnen seien bereits Grundstücke angeboten worden, sagt Kamelger.


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