Spitex kämpft mit sinkender Nachfrage

GAIS ⋅ Weniger erbrachte Pflegeleistungen, dafür mehr Kunden: Die Spitex Rotbachtal blickt auf ein durchzogenes Jahr 2017 zurück. An der Mitgliederversammlung sind zudem die Folgen des steigenden Kostendrucks ein Thema.
09. April 2018, 05:17

2017 konnte die Spitex Rotbachtal den Kunden weniger Stunden verrechnen als ein Jahr zuvor. Der entsprechende Wert sank von 16400 auf 14775. Rückläufig war mit einem Minus von 15 Prozent insbesondere die Nachfrage im Bereich Pflege. Als mögliche Ursache dieser Entwicklung nannte Geschäftsführer Roman John an der Mitgliederversammlung der Spitex Rotbachtal am Samstag im Hotel Krone in Gais Todesfälle sowie Übertritte in Alters- und Pflegeheime.

Weniger stark gesunken sind dagegen die erbrachten Leistungen im Bereich Hauswirtschaft und Betreuung. Sie beliefen sich im vergangenen Jahr auf 5995 Stunden. John wies vor den 78 anwesenden Mitgliedern noch auf eine andere Besonderheit in der Statistik hin. So verteilte sich die tiefere Zahl an erwirtschafteten Stunden auf mehr Kunden. Dies deute darauf hin, dass sie mehr Kurzeinsätze geleistet hätten, sagte John. Einmal mehr erfreulich entwickelte sich dagegen der Mahlzeitendienst. Die Fahrerinnen und Fahrer haben 2017 täglich durchschnittlich rund 20 Mahlzeiten an total 67 Personen in Bühler, Gais und Teufen ausgeliefert. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr beträgt 15 Prozent. Die Rotkreuz-Fahrerinnen und -Fahrer wiederum haben ehrenamtlich insgesamt über 800 Stunden geleistet.

Zwei Mitarbeitende feiern ihr Dienstjubiläum

Die Jahresrechnung 2017 der Spitex Rotbachtal wurde diskussionslos genehmigt. Präsident Gerhard Frey zeigte sich mit dem letztjährigen Ergebnis «einigermassen zufrieden». Dank hoher Ausgabendisziplin liege auch der Aufwand um fast 30000 Franken unter dem Budget. Trotzdem hätten die drei Gemeinden stärker als vorgesehen an den ungedeckten Kosten beteiligt werden müssen. Sie zahlten zusammen rund 770000 Franken. Erfreulich sei aber, dass die Spitex Rotbachtal die kantonal festgelegten Höchstsätze für verrechnete Stunden um zehn Prozent und mehr unterschreiten konnten. «Strategisch bleibt es unser Ziel, im Vergleich zu Nachbarorganisationen besser und günstiger zu sein», betonte Frey.

In seinen Ausführungen ging der Präsident auf einige externe Einflüsse ein, mit denen die Spitex-Organisation konfrontiert ist. Als Beispiel nannte Frey den zunehmenden Spardruck der Krankenkassen. Diese übernähmen nur Leistungen, die über ein ärztliches Zeugnis verschrieben worden seien. Laut Frey vergüten die Kassen aus der Grundversicherung nur noch Produkte, die der Kunde selber anwenden könne. Falls die Spitex für die Pflege Produkte benötige, gehe das zu ihren Lasten. Diese Kosten müsse dann die öffentliche Hand übernehmen. In den Gemeinden herrsche aber oft die Meinung vor, dass der Beitrag der öffentlichen Hand für die Spitex zu hoch sei, sagte Frey. Er finde es erstaunlich, dass finanzielle Leistungen für die Pflege von Einwohnerinnen und Einwohnern viel häufiger zu Diskussionen führten wie jene zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs. Abgesehen davon baue die Spitex ihre Dienstleistungen immer mehr aus und schliesse nicht Schalter wie die Bahn.

Im Vorstand der Spitex Rotbachtal kommt es zu einem Wechsel. Melanie Näf scheidet als Vertreterin des Gemeinderates Bühler aus dem Gremium aus. Ihre Nachfolge ist offen. Zudem wurden mit Elsbeth Waldburger (15 Jahre) und Oliver Marmilich (10 Jahre) zwei langjährige Spitex-Mitarbeitende für ihre Treue ausgezeichnet.

Jesko Calderara

jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch


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