Sieg in der Lombardei weiteres Ziel

Der WM-Siebte Michael Albasini hat seinen Vertrag nach einer erfolgreichen Saison bei Orica-Scott für weitere zwei Jahre verlängert. Zum Saisonabschluss bestreitet der Gaiser Rennen in Italien. Ein Umbau steht an.
30. September 2017, 05:19
Urs Huwyler

Urs Huwyler

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Die Belgier erstellten an der Strassen-WM in Bergen (No) im Vorfeld eine Liste mit mehreren Fahrern, die nicht aus den Augen gelassen werden durften. Darauf stand neben Peter Sagan auch der Name von Michael Albasini (Gais). In Belgien sollten sie mit der Einschätzung recht behalten. Ihr Leader Greg Van Avermaet klassierte sich als Sechster einen Rang vor dem Appenzeller. Wäre «Alba» kurz vor dem Ziel mitten im Sprint nicht eingeklemmt worden, hätte er sich noch weiter vorne klassiert.

Fünfter oder schliesslich Siebter spielte unter dem Strich keine Rolle. «Ich darf sowohl mit der Platzierung als auch der Leistung zufrieden sein. Vor allem Michael Schär und Gregory Rast haben mich optimal unterstützt. Überhaupt war es insgesamt ein starker Auftritt des Teams», fasst Michael Albasini die sechsstündige Sonntagsfahrt über 267 km zusammen. Der dreifache Weltmeister Peter Sagan, Alexander Kristoff oder sein ehemaliger Mannschaftskollege Michael Matthews sind auf den letzten Metern etwas schneller.

Eine gewisse Unsicherheit bestand, ob er sich als Vorbereitung nicht zu viel zugemutet hatte. Von den Weltcup-Rennen in Kanada reiste er direkt nach Italien weiter, bestritt zwei Wettkämpfe, und dann ging’s nach Norwegen. «Zusammen mit der Zeitverschiebung war die Belastung ziemlich hoch. Ich fragte mich zwischendurch», so der endschnelle Allrounder, «ob die Erholungszeit reichen würde. Schliesslich ging alles auf.»

Ob Rennen mit Marken- oder Nationalteams, gehört der 37-jährige dreifache Familienvater einer Fluchtgruppe an, wird im Feld zur Aufholjagd geblasen. An der WM rausfahren – für ihn fast ein Ding der Unmöglichkeit. «Es war in der Vergangenheit einfacher, auszureissen», so die Nummer eins der heimischen Strassenradszene. Andererseits kommt die Dauerbeschattung einer Wertschätzung gleich. Sonst hätten die Australier von Orica-Scott der national lange unterschätzten Teamstütze in der Weltklassesportgruppe kaum einen weiteren Zweijahresvertrag angeboten.

Drei Saisonsiege als Markenzeichen

Immerhin hat Michael Albasini 2017 drei Rennen gewonnen (Etappe Tour de Romandie/Pais Vasco; Coppa Agostini), stand an der Tour de Suisse (2.), beim Amstel Gold Race (3.) und der Vuelta La Rioja (2.) auf dem Podest, wurde bei der Flèche Wallone Fünfter, bei Lüttich– Bastogne–Lüttich Siebter. lm World-Ranking liegt er als bester Schweizer auf Position 34. «Ich hatte einen guten Frühling, jetzt stimmt die Form ebenfalls. Im Sommer mit der Tour de France lief es nicht optimal», fasst er die letzten Monate zusammen.

Noch ist die Saison nicht zu Ende. Ab morgen und bis 7. Ok­tober folgen drei Rennen in Italien. Im Fokus steht dabei Tre Valli Varesine. Die Prüfung zählt zum Trittico Lombardo, einer Gesamtwertung aus der Coppa Agostini und der Coppa Bernocchi. Albasini kann sich nach den Rängen eins und vier als Captain eines neu formierten Schweizer Nationalteams mit jungen, weitgehend unbekannten Fahrern – darunter der Hemberger Patrick Schelling – Chancen auf den Gesamtsieg ausrechnen und für einen weiteren Höhepunkt sorgen.

2014 gewann er Tre Valli. Vier Tage später bildet der Klassiker Lombardei-Rundfahrt den Abschluss. Ob die Kraft nach der langen Saison noch für einen Exploit reicht, wird sich zeigen. Bei Orica wird er eine Helfer- und nicht geschützte Rolle einnehmen. In der Wettkampfpause liegt das Augenmerk auf dem Umbau des in Gais erworbenen Hauses. «Langweilig wird es mir nicht», fügt Michael Albasini an. Als gebürtiger Thurgauer ist er an der Olma einen Tag in offizieller Mission unterwegs. Dazwischen als Genussmensch wohl vereinzelt auch inoffiziell.


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