Rätseln um fehlende Ausserrhoder an der PMS Kreuzlingen

AUSBILDUNG ⋅ In diesem Schuljahr haben sich keine Ausserrhoder Schülerinnen und Schüler an der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen eingetragen. Das gab es noch nie. Der Rektor sucht nach Gründen.
07. Oktober 2017, 09:26
Astrid Zysset

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Erklären kann er sich das Ausbleiben nicht, doch es ist Tatsache: Für das laufende Schuljahr 17/18 haben sich keine Ausserrhoder Schülerinnen und Schüler an der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen eingeschrieben, um Lehrerin oder Lehrer zu werden. «Keine Ahnung, warum das in diesem Jahr der Fall ist», wundert sich Rektor Lorenz Zubler. Er kann nur mit den Schultern zucken. «Wäre schön, wenn wir den Grund wüssten.» Die Schule besuchten bislang pro Jahr jeweils sechs bis zehn Ausserrhoder Schülerinnen und Schüler. Insgesamt gehen aktuell dort 540 zum Unterricht, 120 bis 130 pro Jahrgang. «Existenzbedrohend ist das Fernbleiben der Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder für uns nicht. Aber es ist verwunderlich», so Zubler. Zumal die Pädagogische Maturitätsschule Kreuzlingen sonst eher einen Zulauf verzeichnen kann. Aber eben: Von Schülerinnen und Schülern aus anderen Kantonen. «Wir haben regulär unsere Inserate geschaltet und Schnuppertage angeboten. So wie jedes Jahr. Es kann also nicht daran liegen, dass wir die Ausbildung vielleicht im Ausserrhodischen zu wenig beworben hätten.»

Nun gibt es eine Lösung im eigenen Kanton

Hat der Lehrerberuf generell an Attraktivität eingebüsst? Die statistischen Zahlen belegen einen leichten Rückgang an Lernenden und Studierenden an den Pädagogischen Hoch- und Mittelschulen der Region. Doch Regierungsrat Alfred Stricker, Departement Bildung und Kultur AR, betont, dass dies mit der demographischen Entwicklung zusammen hänge. Generell habe Ausserrhoden im Bereich der 16- bis 20-Jährigen tiefe Schülerzahlen. Das ändere sich jedoch auch wieder. «In zwei bis drei Jahren haben wir die Talsohle durchschritten», so Stricker. Die interkantonale Zusammenarbeit mit dem Thurgau besteht nach wie vor. Sprich: Ausserrhoden zahlt seinen Schülerinnen und Schülern das Schulgeld, falls sie sich für den Besuch der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen entscheiden. Aber: «Wir haben nun auch ein vergleichbar gutes Angebot im Kanton», so Stricker. Gemeint ist damit Trogen. Seit kurzem bietet die Kantonsschule Trogen eine Fachmaturität mit Schwerpunkt Pädagogik an. Aktuell haben sich dort zwölf Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Kantirektor Marc Kummer: «Eine Erklärung für den Rückgang der Ausserrhoder Schülerzahlen in Kreuzlingen haben wir vor einigen Wochen zwischen den zwei Kantonen diskutiert. Es könnte in der Tat sein, dass die Ausserrhoder nun auf die Lösung im eigenen Kanton setzen.»

Lehrgang mit Ausserrhoder Tradition

Die Ausbildung an der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen hat im Ausserrhodischen Tradition. Im Rahmen eines Konkordats wurden lange Zeit alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer aus Appenzell Ausserrhoden nach Kreuzlingen geschickt.

Erst als 2003 die Pädagogischen Hochschulen im Kanton St. Gallen eingeführt wurden, war der Besuch in Kreuzlingen nicht mehr vonnöten. «Kann sein, dass wir seither weniger Schülerinnen und Schüler aus Ausserrhoden bei uns haben», so Zubler. «Aber dass gleich alle ausgeblieben sind, gab es noch nie.» Die Ausbildung in Kreuzlingen ermöglicht den Erwerb einer gymnasialen Matura mit integrierter Grundausbildung zur Lehrperson. Maturandinnen und Maturanden können gleich ins zweite Jahr der Pädagogischen Hochschule Thurgau einsteigen. Dieses «Thurgauer Modell für Lehrerbildung» war auch lange für Ausserrhoder Schülerinnen und Schüler attraktiv.


Leserkommentare

Anzeige: