Mutige Schwestern vor 125 Jahren

WALZENHAUSEN ⋅ Ende November 1892 verliessen fünf Schwestern das Kloster Grimmenstein, um in Amerika eine Neugründung zu wagen. Noch heute bestehen Kontakte zwischen dem Mutterhaus und dem Ableger in den USA.
30. November 2017, 07:02
Peter Eggenberger

Peter Eggenberger

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Seit der Gründung des Klosters Grimmenstein im Jahre 1378 erlebte die Frauengemeinschaft ein stetes Auf und Ab. Als nach der Reformation im Jahre 1597 das Appenzellerland in ein katholisches Innerrhoden und ein reformiertes Ausserrhoden aufgeteilt wurde, hatte das reformierte Walzenhausen eine Lösung für die urkatholische Institution Kloster Grimmenstein zu finden. In der Folge wurde das eigentliche Klosterareal zu einer Innerrhoder Exklave erklärt.

Immer wieder aber gab die Territorialhoheit zu Diskussionen Anlass. So auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Gemeinde Walzenhausen aus Steuergründen ultimativ die totale Zuständigkeit für Grimmen-stein beanspruchte. Als der Streit zu eskalieren drohte, plante die Klostergemeinschaft die Auswanderung nach Amerika und knüpfte entsprechende Kontakte. 1870 regelten dann aber die eidgenössischen Räte in Bern die Verantwortlichkeiten definitiv, womit wieder Ruhe einkehrte.

In Amerika willkommen geheissen

Die mittlerweile bestehenden Beziehungen zu Amerika führten gegen Ende 1892 zum Wegzug von fünf Schwestern, die auf Vermittlung des dortigen Bischofs in St. Francis im Bundesstaat Nevada in leer stehenden Gebäulichkeiten ein Kloster gründen konnten. Die Grimmensteinerinnen waren in den USA willkommen, zumal die Gemeinschaft Waisenkindern ein Heim bot. Später führten die Schwestern eine anerkannte Internatsschule für Mädchen im Hochschulalter.

In den 1950er Jahren gehörten gegen 80 Schwestern zur Grimmensteiner Gemeinschaft in den USA. 1982 verliessen sie Nevada und wagten in Independence im Staat Missouri einen Neuanfang. Hier engagiert sich die heute noch dreizehn Ange­hörige zählende Gemeinschaft in den Bereichen Bildung und Kurse, und zudem werden Interessierten Auszeiten ermöglicht. Dabei ist der Kontakt mit dem Kloster in Walzenhausen nie ­abgerissen, und hin und wieder darf sich Grimmenstein über Besuche aus dem fernen Amerika freuen.


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