Kritische Fragen zu Spitalneubau in Appenzell

APPENZELL AI ⋅ Der Innerrhoder Grosse Rat beschäftigt sich am kommenden Montag unter anderem mit dem geplanten Neubau des Spitals Appenzell. Die Gruppe für Innerrhoden (GFI) mischt sich kritisch in die Diskussion um das ambulante Versorgungszentrum ein.
30. November 2017, 19:07
Die GFI ist eine ständige Bürgerinitiative mit parteiähnlichem Charakter, die sich aktiv mit politischen Fragen auseinandersetzt. Eine Arbeitsgruppe der GFI befasste sich seit einigen Wochen intensiv mit dem Spitalneubau.

Gespräche mit Ärzten, der Besuch im ähnlich gelagerten neuen Spital Schiers GR, Präsentationen von Statthalterin Antonia Fässler würden mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten, schreibt die GFI in einer Mitteilung. Es fehle eine breit angelegte Diskussion, bevor der Grosse Rat entscheidet.
 

Varianten fehlen

Mit einer Strassenumfrage hat die GFI den Puls der Bevölkerung erfühlt: Die Erwartungen an das ambulante Versorgungszentrum lägen weit höher, als was das Zentrum wirklich leisten könne. Das Risiko, genügend qualifizierte Ärzte für das vorgesehene System von Beleg- und Konsiliarärzten sicherzustellen, sei erheblich, so die GFI.

Das Konzept der Spitalstrategie stammt aus dem Jahr 2008. Die GFI fragt sich, ob darin das dynamische Umfeld berücksichtigt sei. Dem Grossen Rat werde nur eine Maximalvariante vorgelegt ohne Vergleich mit anderen Varianten und ohne Befragung der Bevölkerung.

Anstelle des heutigen Spitals soll in Appenzell ein ambulantes Vorsorgezentrum, ergänzt mit einer Tagesklinik mit maximal 26 Betten, realisiert werden. Das Angebot wird durch einen Rettungsdienst und eine Notfallaufnahme ergänzt.

Das neue Spital soll wie das bisherige mit einem Beleg- und Konsiliararztsystem geführt werden. Zudem bestehen in bestimmten Fachbereichen Kooperationen mit dem Kantonsspital St. Gallen und dem Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden.
 

41 Millionen Franken für Neubau

Damit das Spital Appenzell seine medizinischen Leistungen langfristig konkurrenzfähig anbieten könne, seien weitreichende bauliche Massnahmen notwendig. Abklärungen hätten ergeben, dass ein Totalumbau sogar teurer komme als ein Neubau, schreibt die Standeskommission (Regierung) in der Vorlage.

Die Baukosten belaufen sich auf rund 37,2 Mio. Franken. Zudem müssen teilweise neue Einrichtungen und medizinische Apparate angeschafft werden, an deren Kosten sich der Kanton mit 3,8 Mio. Franken beteiligt.
 

Einbussen bei Erträgen

Der Innerrhoder Grosse Rat befasst sich am Montag mit der Vorlage für den Bau eines neuen Spitals. In einer Ergänzungsbotschaft hat die Standeskommission die Planerfolgsrechnung aktualisiert. Eingeflossen sind die Änderungen der ambulanten Tarifstruktur Tarmed und die Einführung von Listen von Eingriffen, die in der Regel ambulant und nicht stationär durchzuführen sind.

Diese beiden Entscheide des Bundes führten bei allen Spitälern in der Schweiz zu massgeblichen Einbussen auf der Ertragsseite, schreibt die Standeskommission. Beim Spital Appenzell bewegen sich die jährlichen Einbussen bei rund 0,5 Mio. Franken.

Bei den stationären Fällen wird mit einem Minus von 100 gerechnet. Bei den ambulanten Fällen hingegen wird aufgrund der Zahlen des laufenden Jahres von 6000 statt der prognostizierten 4100 Fällen ausgegangen.

Das letzte Wort über den 41-Millionen-Kredit hat die Landsgemeinde. (sda)

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