Kritik am Verkehrskonzept

REHETOBEL ⋅ Im Streit um die Realisierung der Sportsclinic ist keine Lösung in Sicht. Der WWF verlangt Antworten auf den zu erwartenden Mehrverkehr. Eine entscheidende Rolle spielen die Stimmberechtigten.
14. September 2017, 05:20
Jesko Calderara

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Das geplante Therapie- und Regenerationszentrum auf dem Areal «Ob dem Holz» ist noch immer durch Einsprachen blockiert. «Wir haben mit dem runden Tisch und weiteren Massnahmen alles unternommen, um eine Lösung zu ermöglichen», sagt Florian Kamelger, CEO der Sportsmedicine Excellence AG (SME). Unter anderem wurde die Zahl der Zimmer um die Hälfte auf 20 reduziert. Letztlich werde die Umsetzung des Volkswillens aus dem Jahr 2015 behindert, sagt Kamelger. Einsprachen seien jedoch normal und ein legitimes demokratisches Recht.

Trotz der Verzögerungen wollen die Initianten am Standort Rehetobel festhalten. Bei Projekten dieser Art und Grössenordnung brauche es viel Geduld, gibt Kamelger zu bedenken. «Wir sind von unserem Vorhaben noch immer überzeugt.» Abgesehen davon gebe es dafür aus der Bevölkerung sehr viel Support.

Mögliche Abstimmung am 26. November

Allerdings drängt die Zeit. Damit der Baurechtsvertrag in Kraft treten kann, muss er bis Ende 2017 formell im Grundbuch eingetragen sein. Voraussetzung dazu ist eine rechtskräftige Baubewilligung. Zwar will die Gemeinde den Bau- und Einspracheentscheid zeitnah fassen, anschliessend stehen den beteiligten Parteien aber weitere Rechtsmittel offen. Daher dürfte die Frist bis zum 31. Dezember kaum ausreichen. Für deren Verlängerung ist ein zweiter Urnengang notwendig. Ein denkbares Abstimmungsdatum ist der 26. November. «Der Gemeinderat hat den Termin noch nicht festgelegt», sagt Gemeindeschreiber Kevin Fried­auer. Vorgesehen sei, nur die Frist für die Anmeldung des Baurechtsvertrags im Grundbuch zu verlängern.

Der Baurechtszins in Höhe von 100000 Franken soll dagegen gleich bleiben. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Baurechtsvertrag und sehen keinen inhaltlichen Änderungsbedarf», sagt Kamelger. Damit die Einsprecher die zeitliche Komponente nicht zur Torpedierung des Projekts missbrauchen könnten, müsse die Dauer der Verlängerung flexibel sein und auf die Länge der Rechtsverfahren Bezug nehmen.

Friedauer erwartet, dass der Kanton in den nächsten Tagen über das hängige Baugesuch entscheiden wird. Anschliessend liegt der Ball bei der Gemeinde. Die Baubewilligungskommission muss über einzelne Punkte befinden, bevor die Entscheidungseröffnung ansteht. Nächste Instanz im Rechtsweg wäre dann das Departement Bau und Volkswirtschaft.

Elektro-Shuttle-Dienst geplant

Ein umstrittener Punkt beim geplanten Therapie- und Regenerationszentrum ist das vorliegende Verkehrskonzept der SME. Dieses sieht vor, dass ein grosser Teil der Gäste, Besucher und Angestellten mit einem Elektro-Shuttle-Dienst zur Sportsclinic gefahren werden. Auf diese Weise lasse sich das Verkehrsaufkommen auf der Bürgerheimstrasse nachhaltig positiv beeinflussen, zeigt sich Kamelger überzeugt.

Einsprache eingelegt gegen das Millionenprojekt in Rehetobel hat der WWF. Hauptgrund dafür ist das mangelhafte Verkehrskonzept. «Es liefert nur ungenügende Antworten auf die Frage, wie der zu erwartenden Mehrverkehr bewältigt werden kann», sagt Martin Zimmermann, Geschäftsführer der WWF-Sektionen St. Gallen und Appenzell. Der Sportsclinic-Betrieb führe zu einer massiv gesteigerten Nutzungsintensität mit einem entsprechenden Einfluss auf Natur und Umwelt. Die gemieteten Parkplätze beim Heilbad Unterrechstein und das vorgeschlagene Shuttlebus-Konzept stellten keine gesicherte Alternative zur baurechtlich vorgeschriebenen Anzahl der Autoabstellflächen dar, sagt Zimmermann. Er bemängelt auch die bau- und verkehrstechnisch ungenügende Zufahrt auf der Bürgerheimstrasse. Diese Punkte müssten mit dem Baubewilligungsentscheid geklärt werden. Laut Zimmermann kann eine Einigung nur erzielt werden, wenn das Verkehrsproblem gelöst wird. Dies könne geschehen mit Parkplätzen im Dorf, etwa durch den Bau einer Tiefgarage, und mit klaren Auflagen in Sachen Zufahrt.

Mehrere Optionen für Operationsort

Noch unklar ist, wo die Patienten der Sportslinic dereinst operiert werden. Sie befänden sich in Gesprächen mit möglichen Partnern aus der Umgebung, sagt der CEO der Sportsmedicine Excellence. «Bezüglich Operationsort sind wir aufgrund der kurzen Distanzen flexibel.» Mehrere Anbieter in der Region hätten sie angesprochen, sagt Kamelger.


Leserkommentare

Anzeige: