Krach um die «Krone»

GASTRONOMIE ⋅ Die Besitzer der «Krone» in Brülisau sind verärgert. Sie wollen das Hotel entweder verkaufen oder für immer geschlossen lassen. Die Innerrhoder hätten ihnen von Anfang an das Leben schwer gemacht.
10. Juni 2017, 05:17
Roger Fuchs

Roger Fuchs

roger.fuchs

@appenzellerzeitung.ch

 

Alles begann im Mai 2016 voller Freude. Inzwischen sind die Wogen kaum noch zu glätten. Seit 1. Januar dieses Jahres ist die «Krone» in Brülisau zum zweiten Mal innert kurzer Zeit geschlossen. Niemand wisse, was mit dem Betrieb geschehe, auch die Behörden hätten bislang keinen Kontakt zur Besitzerfirma herstellen können, sagte vor einigen Tagen Bruno Huber, Hauptmann des Bezirks Rüte. «Stimmt nicht», kontert jetzt Fabio Sponchia, der im Auftrag der Zuger EPL Immo Holding AG für die «Krone» zuständig ist. Der Bezirksrat wisse genau, wer die Besitzer seien, und verfüge auch über die Kontaktdaten. Sponchia erzählt, wie er vor einem guten Jahr sogar mit einem Mitglied des Bezirksrats um das Haus herumgegangen sei und begutachtet habe, was alles zu sanieren sei. «Wir hatten Grosses vor mit dem Hotel und wollten investieren», so Sponchia. Inzwischen jedoch hat sich das Blatt gewendet. «Wir werden das Hotel nicht mehr öffnen.» Stattdessen soll es verkauft werden. Ein Pächter werde nicht mehr gesucht.

Für Fabio Sponchia steht fest: Die Einheimischen wollen die heutigen Besitzer nicht und hätten ihnen von Beginn weg das Leben schwer gemacht. Sponchia führt aus, wie er im Mai letzten Jahres am Runden Tisch in Brülis­au teilgenommen und dort den regierenden Hauptmann getroffen hat. Die damalige Begegnung bezeichnet er als «eiskalt». Ein weiterer Beweis für ihre Unbeliebtheit sei die Tatsache, dass bei der ersten Schliessung jemand aus Brülisau an die Mauer gekritzelt habe, das Hotel solle für immer geschlossen bleiben. Trotz Übermalung ist der Schriftzug nach wie vor schwach sichtbar.

Die Rede ist von ungleicher Behandlung

Überhaupt hätte die erste Schliessung der «Krone» im letzten Juli laut Fabio Sponchia nicht sein müssen. Seine Ex-Frau Christine, die als Geschäftsführerin für das Hotel vorgesehen war, habe exakt an jenem Tag, als der Schliessungsbefehl vom Bezirksrat kam, die Bestätigung für einen bestandenen Kurs bekommen. So hätte man ihr zumindest eine provisorische Bewilligung erteilen können.

Der Mieter der «Chemihötte», die Teil des Hotelgebäudes ist, habe demgegenüber sofort eine Bewilligung für Speis und Trank erhalten, obschon er zuvor noch nie hinter einer Theke gestanden habe und es keine Küche im Lokal gebe. Für die «Krone»-Besitzer steht fest: Mit Einheimischen werde anders umgegangen als mit Auswärtigen. Zusammenfassend hält Fabio Sponchia fest: «Es kann nicht sein, dass Leute von Zug nach Brülisau kommen, investieren wollen und dann so behandelt werden.» Und das alles bedeutet nun: Die Brülisauer müssen sich damit abfinden, dass die «Krone» für immer geschlossen bleibt, wenn diese niemand kauft. Ein potenzieller Käufer winkt bereits ab: Die Kastenbahn. Bis 2002 war diese im Besitz der «Krone». Ein Rückkauf komme nicht in Frage, da man sich auf das Seilbahngeschäft konzentriere, sagt VR-Präsident Emil Koller. 2008 bis Anfang 2016 florierte das Hotel unter Nicole und Peter Gemperle.


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