Junge Talente gezielt fördern

AUSSERRHODEN ⋅ Die Kulturstiftung des Kantons will mit dem Young Music Artist Camp Nachwuchsmusiker unterstützen. Durch Kontakt mit Profis und die Vernetzung mit anderen Talenten soll dieses Ziel erreicht werden.
11. September 2017, 05:17
Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@appenzellerzeitung.ch

Feme Fokkens setzt sich ans Klavier und trägt eine ruhige, leicht melancholische Ballade vor. Als sie den letzten Akkord ihres Songs gespielt hat, erhält sie neben dem obligaten Applaus eine detaillierte Rückmeldung des Publikums. Denn dies ist kein normales Konzertpublikum, sondern besteht aus Profis und aufstrebenden jungen Musikern, die wie Fokkens am erstmals durchgeführten Young Music Artist Camp (Ymarc) teilnehmen. Da Fokkens sowohl Ukulele als auch Klavier spielt, diskutiert die Gruppe, mit welchem Instrument ihr selbst geschriebenes Lied die beste Wirkung erzielt.

«Mir gefällt die Klavierversion besser. Du bist dann freier in den Zwischenteilen», sagt Timo Wild. Er begleitet das Wochenende im «Alpenhof» in St. Anton als Experte. Auch Lorena Dorizzi gibt den Nachwuchstalenten Tipps, wie sie ihre Musik weiterentwickeln und verfeinern können. Beide sind Förderbeitragsempfänger der Kulturstiftung und geben nun ihr Wissen und ihre Erfahrung an die Jugend weiter. Denn das ist Sinn und Zweck des Ymarc.

Musikunterricht der besonderen Art

Lanciert wurde das Projekt von der Arbeitsgruppe Musik der ausserrhodischen Kulturstiftung. Der Initiator des Ymarc, Jens Weber, erklärt, dass man mit dem Projekt Talente aus der Region gezielt fördern wolle. ­Aus zwölf Bewerbungen haben sich sechs Einzelmusiker und Formationen durchgesetzt. «Das Ni­veau war sehr hoch, weshalb wir leider auch einige Absagen erteilen mussten», sagt Weber. Im Gegensatz zum klassischen Musikunterricht, wo in erster Linie das korrekte Spielen eines Stücks im Fokus stehe, versuche man im Ymarc musikalische Persönlichkeiten zu entwickeln.

Networking unter Musikern

Daneben ermögliche das Music Camp den Jugendlichen, sich untereinander zu vernetzen. Das Treffen mit anderen Jugendlichen, welche die gleiche Begeisterung für Musik mitbringen, bietet dazu die optimale Gelegenheit. Feme Fokkens beispielsweise hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, ihrer Ballade mit Streichern oder Blasmusikern noch mehr Ausdruck zu verleihen. Am Ymarc kann sie Kontakte knüpfen und solche Ideen in die Tat umsetzen. «Zudem ist es interessant, von Profis und anderen jungen Musikern Rückmeldungen zu meinen Songs zu erhalten», sagt sie. Die erste Ausgabe des Ymarc sei ein voller Erfolg, sagt Jens Weber. Geplant sei deshalb, das Projekt künftig alle zwei Jahre durchzuführen.


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